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Arbeit sowie zur bedarfsgerechten Steuerung von Ressourcen“
Vertiefende Analysen zeigen außerdem deutliche Unterschiede
gefördert von Fröbel e.V. vom Team des Lehrstuhls für Frühkind-
zwischen verschiedenen Kindergruppen. Ein höherer Sprachför-
liche Bildung und Erziehung der Otto-Friedrich-Universität Bam-
derbedarf zeigt sich insbesondere bei Jungen, jüngeren Kin-
berg durchgeführt. Ziel des Projekts war die Entwicklung eines
dern, Kindern mit Deutsch als Zweitsprache, Kindern in sprach-
fachlich fundierten Kriteriums zur Identifikation von Sprachför-
therapeutischer Behandlung sowie Kindern mit Behinderungen.
derbedarfen auf Basis des Instruments BaSiK (Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen). Es basiert sowohl auf theoretischen Grundlagen als auch auf dem Wissen einschlägiger Expertinnen und
Experten und soll neben der Erkennung individueller Förderbedarfe eine datenbasierte und gerechtere Ressourcensteuerung
auf Einrichtungs- und Trägerebene ermöglichen.
Zur Untersuchung der praktischen Nutzung des Instruments
Aus den Ergebnissen lassen sich mehrere
Handlungsempfehlungen ableiten:
Fachliche Kompetenzen gezielt stärken
Die professionellen Kompetenzen der Fachkräfte sollten gezielt
weiterentwickelt werden, z. B. die Sensibilität für mögliche Beobachtungsverzerrungen schärfen, etwa bei der Einschätzung
von Kindern mit nichtdeutscher Erstsprache.
wurden qualitative Interviews mit 15 pädagogischen Fachkräf-
Fortbildungsangebote bedarfsorientiert ausbauen
ten und Kita-Leitungen geführt. Darüber hinaus wurde analy-
Passgenaue Fortbildungen können die Qualität sprachlicher
siert, wie soziale Kontextfaktoren (z. B. der Anteil einkommens-
und kognitiver Anregung im pädagogischen Alltag nachhaltig
schwacher Familien) sowie kindbezogene Merkmale (z. B. Ge-
verbessern.
schlecht oder Erstsprache) mit einem Sprachförderbedarf zusammenhängen. Die Analysen basierten auf Daten von mehr als
100 Fröbel-Einrichtungen und über 2.500 Kindern.
Das im Projekt entwickelte Kriterium fokussiert besonders re-
Ressourcen bedarfsgerecht steuern
Das neu entwickelte Sprachförderbedarfskriterium bietet Trägern die Möglichkeit, personelle und fachliche Ressourcen gezielter am tatsächlichen Bedarf auszurichten.
levante Bereiche der Sprachentwicklung: Sprachverständnis,
Kriterium weiter validieren
Semantik/Lexik, Phonetik/Phonologie, Morphosyntax und au-
Damit das Sprachförderbedarfskriterium langfristig verlässlich
ditive Basiskompetenzen. Diese werden mit Informationen zum
genutzt werden kann, sollte es im Rahmen eines flächendecken-
Kind gekoppelt und für jeden Bereich auf Erreichen eines
den Einsatzes von BaSiK weiter überprüft und validiert werden.
Schwellenwertes überprüft. Der konkrete Sprachförderbedarf
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eines Kindes ergibt sich aus der Anzahl der Bereiche, in denen
die festgelegten Schwellenwerte unterschritten werden.
Kinder, die in einem oder zwei Bereichen unterhalb des Schwellenwerts liegen, profitieren insbesondere von intensivierter alltagsintegrierter Sprachförderung. Zeigen sich Förderbedarfe in
drei oder vier Bereichen, wird zusätzlich zu alltagsintegrierten
Literatur:
Anders, Y. (2013). Stichwort: Auswirkungen frühkindlicher institutioneller
Betreuung und Bildung. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 16(2),
237–275. https://doi.org/10.1007/s11618–013–0357–5
McElvany, N., Lorenz, R., Frey, A., Goldhamer, F., Schilcher, A., & Stubbe, T. C.
(2023). IGLU 2021: Lesekompetenz von Grundschulkindern im internationalen Vergleich und im Trend über 20 Jahre. Waxmann Verlag.
Maßnahmen eine weitergehende Förderung empfohlen.
Die Anwendung des neuen Kriteriums zeigt, dass 22 Prozent der
OECD (Hrsg.) (2023). PISA 2022 Ergebnisse: Lernstände und Bildungsgerechtigkeit. wbv Media. https://doi.org/10.3278/6004956w
untersuchten Kinder einen Sprachförderbedarf in drei bis vier
Bereichen aufweisen. Dieses Ergebnis erscheint aufgrund der
Ergebnisse von Schulleistungsstudien aus dem Grundschulbereich plausibel (vgl. McElvany et al., 2023). Weitere 25 Prozent
der Kinder unterschreiten den Schwellenwert in einem oder
zwei Sprachbereichen und können besonders von sprachförderlichen Angeboten im Alltag profitieren.
BaSiK in der Praxis: Chancen, Herausforderungen und
Empfehlungen
Die qualitativen Interviews zeigten ein differenziertes Bild der
Anwendung von BaSiK. Einerseits wurden noch Anwendungsfehler sichtbar, etwa bei der Berücksichtigung der Erstsprache.
Andererseits bewerten die Fachkräfte BaSiK insgesamt positiv
und erkennen die praktische Relevanz des Verfahrens an. Kritisch gesehen werden jedoch diagnostische Verfahren im KitaKontext insgesamt. Als zentrale Herausforderung nennen viele
Fachkräfte zudem fehlende zeitliche Ressourcen.
Prof. Dr. Yvonne Anders ist Bildungsforscherin und Psychologin und
Direktorin der Abteilung „Entwicklung in Bildungskontexten“ (EnBi) am DIPF,
Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.
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