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Etwa jedes dritte Kind weist Sprachdefizite auf – das zeigen die bundesweiten Schuleingangsuntersuchungen. Forschende sind sich einig:
Weil Bildungsungleichheit vor allem in den ersten Lebensjahren entsteht,
ist frühe Sprachförderung der wirksamste Weg, ihr zu begegnen. Wie
das im Kita-Alltag ganz konkret aussehen kann, zeigt ein Besuch in der
Fröbel-Kita Seeburger Straße in Berlin-Spandau.
„Ich will zum Theater“, ruft es durch den Bewegungsraum. „Ich
gehe zur Koch-AG!“ Es ist Dienstagfrüh, wie jeden Morgen dürfen sich die über Dreijährigen, die schon den Elementarbereich
besuchen, im Morgenkreis überlegen, wie sie den Vormittag verbringen möchten. Heute ist es ein wenig wuselig, da muss Fachkraft Kathi dreimal aufzählen, was heute zur Auswahl steht: Kamishibai im Theaterraum, in den Kita-Garten gehen oder in der
Koch-AG das Gemüse fürs Mittagessen schneiden. Später stehen die Türen weiterer Funktionsräume offen, etwa die Werkstatt zum Forschen, Experimentieren und Kreativsein sowie die
Wörterwerkstatt, die wie eine Bibliothek konzipiert ist. Alle diese Angebote haben eines gemeinsam: Sie fördern die Sprachbildung im Alltag.
Dazu werden in der Kita immer wieder bewusst Situationen geschaffen, in denen zugehört und nachgefragt wird. „Wir überlegen uns im Team, wie wir die Sprachbildung positiv beeinflussen“, sagt Lisa Theel, seit Anfang 2025 Leiterin der Einrichtung.
sagt er. Ein anderer Junge antwortet ihm: „Dinos legen auch
Und weiter: „Natürlich ist das freie Spiel ein großer Bestandteil
Eier.“ – „Aber jetzt sind die Dinos tot.“ – „Nein, sind sie nicht!“.
unseres Alltags, denn dabei lernen die Kinder am meisten, aber
eben auch bei gezielten, sprachfördernden Angeboten – die
Kathi hört sich den Dialog interessiert an. Dann klappt sie das
Mischung macht’s.“
Erzähltheater auf und beginnt mit der ersten Tafel. Während
Kathi vorliest, betrachten die Kinder die Bilder mit großen Augen und unterhalten sich darüber, was sie auf den Bildern ent-
Kamishibai im Theaterraum
decken. Das Gespräch ist lebhaft und der VerEinige Mädchen und Jungen entscheiden sich
an diesem Vormittag für den Theaterraum.
Nachdem alle ihren Platz gefunden haben,
klärt die pädagogische Fachkraft Kathi mit
den Kindern, welche Geschichten sie hören
wollen.
Heute ist das Kamishibai an der Reihe, ein Er-
„Natürlich ist das freie Spiel
ein großer Bestandteil
unseres Alltags, denn dabei
lernen die Kinder am meisten,
aber eben auch bei gezielten,
sprachfördernden Angeboten. Die Mischung macht’s!“
lauf der Geschichte wird schnell zweitrangig.
Als Kathi vorliest, dass die Hühner gackern,
kommen verwunderte Rückfragen. Ein Großteil der Gruppe kennt das Wort nicht. Ein Kind
überlegt: „Die Hühner kackern?!“. Kathi antwortet: „Nein, sie gackern.“ Daraufhin möchten alle Kinder einmal lauthals gackern. Dann
zähltheater mit Bildkarten, das aus Japan stammt und den
muss aber dringend noch geklärt werden, wie ein Hahn macht.
Zuschauenden die Gelegenheit gibt, sich zu äußern und in den
Na klar: „Kikerikiii“, weiß ein Mädchen.
Dialog zu gehen (wie Fachkräfte zusammen mit Familien eine
Kamishibai-Geschichte gestalten können, lesen Sie ab Seite 54).
Später zeigt Kathi eine Tafel mit einem Löwenzahn. Die Kinder
Demokratisch werden drei Geschichten von den Kindern ausge-
überlegen, was man mit Löwenzahn alles machen kann:
wählt, angefangen mit „Aufruhr im Hühnerstall“.
Tee, Honig, man kann ihn sogar im Salat essen. Dann folgen Tafeln, die verschiedene Gegenstände derselben Farbe zeigen:
Kathi sitzt auf einem Hocker und damit auf Augenhöhe mit den
Stein, Feder, Gürtel, Pudelmütze. Die Kinder sagen, was sie
Kindern. Sie fragt in die Runde, ob schon mal jemand in einem
erkennen. „Was hast du entdeckt, Avi*?“, fragt Kathi. „Blue-
Hühnerstall war. Einige Finger gehen nach oben; aus einem Jun-
berry!“ – „Meinst du die blauen Beeren, die Blueberries?“ –
gen sprudelt es sofort heraus: „Ich habe Eier aufgesammelt“,
„Ja, die Blaubeeren!“
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