260907_KINDgerecht_Inhalt_210x285_DRUCK_01 - Flipbook - Page 27
bittet ihn freundlich, in der Küche nachzufragen, ob das Essen
schon bereitsteht. Der Junge
freut sich: Er hat eine vertrauensvolle Aufgabe übertragen
bekommen. Als er zurückkommt,
geht er schnurstracks zu Henrik
Froese und sagt: „Kannst schon
kommen!“. Froese antwortet zugewandt: „Ah, wir können schon
kommen“, und bedankt sich bei
dem Jungen.
„Ein wertschätzender Umgang
ist die Grundlage für eine gute
Beziehung zu den Kindern“, sagt
Henrik Froese. „Und eine gute
Beziehung ist wiederum die
Grundlage für eine gute Sprachentwicklung.“ Eine Sache betont
er besonders: Kinder, die zweisprachig aufwachsen, werden in
der Kita aktiv eingeladen, Wörter auch in ihrer Familiensprache
Es sei wichtig, so Theel, mit den Kindern ins Gespräch zu gehen.
zu sprechen. So werde deutlich, dass alle Sprachen willkommen
Die Fachkräfte fragen beispielsweise, ob das Kind eigentlich
und wertvoll sind. „Außerdem möchte ich doch auch etwas von
wisse, was das Schimpfwort bedeutet und wie es sich anfühlen
den Kleinen lernen“, sagt Froese und lacht.
würde, wenn man selbst so genannt wird.
„Was die Kinder mit einem Schimpfwort in Wahrheit erreichen
Zugang zur eigenen Gefühlswelt
wollen, ist Aufmerksamkeit. Die können wir ihm anders geben,
Beim Mittagessen wird derweil gesungen: „Wir sind die kleinen
etwa durch ein Gesprächsangebot“, ordnet Lisa Theel ein.
Füchse und kommen aus Berlin. Und wo es was zum Fressen
Ihr Wunsch ist es, dass die Kinder nach ihrer
gibt, da laufen wir schnell hin. Piep piep piep,
guten Appetit.“ Am Nebentisch singt eine
spanischsprachige Fachkraft mit ihrer Gruppe: „La vaca Lola, la vaca Lola, tiene cabeza y
tiene cola“ – alle Kinder singen begeistert mit.
„Kinder sollen ihre Gefühle
benennen können, wenn
sie etwa frustriert oder
wütend sind.“
Kita-Zeit gut vorbereitet sind – für die Schule
und ihren weiteren Lebensweg. „Wenn ein Kind
von hier weitergeht und sich traut, Fragen zu
stellen, seine Gefühle in Worte zu fassen und
Freundschaften zu knüpfen“, so Lisa Theel,
Kitaleitung Lisa Theel achtet in ihrem Team darauf, dass immer
„dann hat es die vielleicht wichtigsten Grundlagen für alles
wieder die Kinderperspektive eingenommen wird. „Möchte ein
Weitere mitbekommen – und das ist unser Ziel.“ ■
Kind beim Rausgehen keine Jacke anziehen, dann neigen Erwachsene häufig dazu, eine Entscheidung aufzuzwingen“, er-
*Name von der Redaktion geändert
klärt Theel. „Wir vereinbaren stattdessen, dass die Jacke mit
rausgenommen wird und man nach einem Temperatur-Check
noch einmal gemeinsam überlegt.“
Lisa Theel sagt: „Wenn wir mit den Kindern gewaltfrei sprechen
und sie das Gefühl haben, selbstwirksam zu sein, werden sie sich
später mit einem schönen Gefühl an ihre Kita-Zeit erinnern.
Solche Erfahrungen gehen ins Unterbewusstsein.“ Überhaupt
sei der Zugang zur Gefühlswelt wichtig und gehöre auch zur
sprachlichen Entwicklung. Kinder sollen ihre Gefühle benennen
können, wenn sie etwa frustriert oder wütend sind.
Kira Brück ist
freie Autorin und Journalistin.
27