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Um allen Kindern faire Startchancen zu eröffnen, müssen
Sprachbildung und Sprachförderung dort ansetzen, wo die
Grundlagen für Bildungsbiografien gelegt werden: in der Kita.
Hier werden Kinder täglich in ihrer Entwicklung begleitet und
unterstützt. Hier arbeiten pädagogische Fachkräfte mit hoher
Expertise in frühkindlicher Bildung und Sprachentwicklung. Und
hier besteht die Möglichkeit einer engen und kontinuierlichen
Zusammenarbeit mit den Eltern.
*Nordrhein-Westfalen will landesweit ABC-Klassen einführen. Die Idee dahinter sind verpflichtende schulische Förderkurse für Kinder mit Sprachdefiziten im Jahr vor der Einschulung. Träger, Wissenschaft, Elternvertretungen, Kinderschutz und Gewerkschaften kritisieren das Vorhaben
einhellig als schulische Parallelstruktur zulasten der frühkindlichen Bildung und fordern stattdessen eine konsequente Stärkung der Sprachbildung in den Kitas.
Frühkindliche Bildung als erste Stufe des Bildungssystems
muss Priorität haben. Kitas sind die wirksamsten Orte für
Sprachbildung und Sprachförderung, weil sie alltagsintegriert,
beziehungsorientiert und auf die individuelle Entwicklung jedes
Kindes ausgerichtet sind. Eine Verlagerung von Sprachförderung in vorgeschaltete ABC-Klassen* löst Kinder aus ihrem vertrauten Lern- und Lebensumfeld und steht im Widerspruch zu
den Erkenntnissen der frühpädagogischen und sprachwissenschaftlichen Forschung. Statt neue Strukturen außerhalb der
Kita zu schaffen, müssen die bestehenden frühpädagogischen
Angebote gestärkt und nachhaltig ausgebaut werden. ■
Prof. Dr. Renate Zimmer ist Erziehungswissenschaftlerin mit den
Schwerpunkten Frühe Kindheit, frühkindliche Bewegungserziehung,
Psychomotorik, Entwicklungsdiagnostik und der Verbindung
von Bewegung und Sprache. Sie lehrte und forschte als Professorin
für Sportwissenschaft an der Universität Osnabrück. Sie ist
Mitbegründerin des nifbe (Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung) und leitete das Institut bis 2018.
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