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Kinderperspektiven in der Praxis verankern
Teamkultur: Von der Einzelkunst zur gemeinsamen Praxis
Systematisches Zuhören braucht vor allem Zeitfenster, Team-
Damit Zuhören nicht davon abhängt, ob gerade Zeit ist oder wer
absprachen und eine Haltung, die Kindern zutraut, Expertinnen
Dienst hat, braucht es eine Teamkultur, die Kinderperspektiven
und Experten ihres Alltags zu sein.
verbindlich einplant. Leitfragen können sein:
Aus dem Kinderperspektivenansatz lassen sich drei Prinzipien
• Wann und wo erheben wir Kinderperspektiven gezielt?
ableiten, die sich gut in die Praxis übertragen lassen:
Vielfältige Ausdrucksformen ermöglichen:
Nicht jedes Kind erzählt gern im Plenum. Fotos, Rundgänge, Zeichnungen, Bilderbuchbetrachtungen oder verschiedene Beschwerdeverfahren eröffnen andere Zugänge. Im
Methodenschatz II des Kinderperspektivenansatzes werden dafür konkrete Methoden beschrieben (Bertelsmann
Stiftung (b) 2020).
• Wie stellen wir sicher, dass alle Kinder gehört und
gesehen werden?
• Wie gehen wir mit widersprüchlichen Perspektiven um?
• Wie geben wir Kindern Rückmeldung über Ergebnisse
und Entscheidungen?
Der Kinderperspektivenansatz kann Teams dabei unterstützen,
weil er konkrete Methoden und Auswertungsschritte anbietet –
Auswerten statt sammeln:
Aussagen, Beobachtungen und Materialien werden im Team
und damit Zuhören als Bestandteil von Qualitätsentwicklung
verankert.
gebündelt: Welche Themen häufen sich? Was sagt das über
den Alltag aus? Was könnten nächste Schritte sein?
Dokumentieren, was daraus folgt:
Kinder erleben Selbstwirksamkeit besonders dann, wenn sie
sehen: Unsere Beiträge werden sichtbar – und führen zu Veränderungen. Dokumentation ist deshalb nicht Deko, sondern
Rückmeldung (Bertelsmann Stiftung 2020).
Wenn Zuhören über die Kita hinausgeht
Kinderperspektiven auch über die Einrichtungen hinaus sichtbar
zu machen, stärkt Kinderrechte, demokratische Teilhabe und
die Qualität frühkindlicher Bildung. Entscheidungen auf Träger-,
Aus Zuhören wird Selbstwirksamkeit
Kinder wollen nicht nur „verstanden“ werden. Sie wollen erleben, dass ihre Sichtweise zählt – auch wenn nicht jeder Wunsch
eins zu eins erfüllt werden kann. Wenn wir Kindern systematisch
zuhören und ihre Perspektiven in die Weiterentwicklung der
Kita einbeziehen, entsteht eine klare Botschaft: Deine Stimme
hat Gewicht.
So wird Zuhören zu einem Lernfeld für Kinder – und zu einem
Qualitätsmotor für die Einrichtung und darüber hinaus. Und Kinder erleben sich als das, was sie sind: kompetent, gestaltend,
selbstwirksam. ■
Fach- und Politikebene können damit stärker an den Bedürfnissen und Lebenswelten von Kindern ausgerichtet werden.
Auf Fachtagen, in Workshops, Veröffentlichungen oder fachpolitischen Veranstaltungen können Kinderperspektiven dazu beitragen, fachliche Diskussionen konsequent an den Erfahrungen
von Kindern auszurichten.
Werden Qualitätsdimensionen aus Kindersicht zudem in trägerweiten Dokumenten, Arbeitshilfen, Konzepten und Veranstaltungskonzepten verankert, wird die Kinderperspektive zu einem
verbindlichen Bezugspunkt der Qualitätsentwicklung.
Partizipation wird gestärkt, der fachliche Blick geschärft und
Qualität konsequent auch daran gemessen, wie Kinder ihren Alltag erleben. Zuhören funktioniert also auch auf Trägerebene.
Kassandra Ribeiro, Referentin für Pädagogik
und Qualitätsentwicklung bei Fröbel
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Literatur
Bertelsmann Stiftung (a) (Hrsg.) (2020): Achtung Kinderperspektiven! Mit
Kindern KiTa-Qualität entwickeln. Methodenschatz I. Qualitätsdimensionen.
Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
Bertelsmann Stiftung (b) (Hrsg.) (2020): Achtung Kinderperspektiven! Mit
Kindern KiTa-Qualität entwickeln. Methodenschatz II. Erhebung, Auswertung
und Dokumentation. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2021): Kinder als Akteure in der Qualitätsforschung. Eine rekonstruktive Studie zu KiTa-Qualität aus der Perspektive von
Kindern. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.