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Während Vorlesen in Kitas häufig situa-
griffe aus Geschichten in ihren Sprachen
Damit das Vorleseband seine Wirkung
tiv und eher beiläufig erfolgt, zeichnet
zu benennen; mehrsprachige Bilderbü-
voll entfalten kann, muss es in ein über-
sich das Vorleseband durch seine Ver-
cher oder zweisprachige Materialien wer-
greifendes Konzept sprachlicher Bildung
bindlichkeit, Regelmäßigkeit und die
den gezielt eingesetzt; Eltern oder mehr-
und Förderung eingebettet sein, das in-
sprachige Fachkräfte
klusiv, diversitätssensibel und mehrspra-
werden gelegentlich in
chig ausgerichtet ist. Dazu gehört, dass
die Gestaltung der Vor-
Gruppen bewusst heterogen zusam-
lesezeit eingebunden.
mengesetzt werden, damit Kinder mit
Durch die dialogische
unterschiedlichen sprachlichen Erfah-
Ausgestaltung bleibt
rungen, Unterstützungsbedarfen und
Deutsch zentrale Bil-
Lebenslagen gemeinsam teilnehmen
dungssprache,
wäh-
und Ausschlussprozesse vermieden wer-
rend andere Sprachen
den. Ebenso zentral ist die Qualifizierung
Orientierung an dialogischen Prinzipien aus.
Damit werden zentrale
Befunde der Early-Literacy-Forschung aufgegriffen: Kinder profitieren besonders dann
sprachlich, wenn literale Aktivitäten wiederholt stattfinden, an
„Während Vorlesen in Kitas
häufig situativ und eher
beiläufig erfolgt, zeichnet
sich das Vorleseband durch
seine Verbindlichkeit,
Regelmäßigkeit und die
Orientierung an dialogischen
Prinzipien aus.“
als Teil der kindlichen
der Fachkräfte: Sie benötigen fachliches
ihren Interessen ansetzen und sie aktiv
Identität und des Vorwissens anerkannt
Wissen zu Early Literacy, dialogischem
zum sprachlichen Handeln einbinden.
werden. Dies unterstützt sowohl die Ent-
Lesen, Mehrsprachigkeit und inklusiver
wicklung eines positiven Sprachensemb-
Pädagogik. Idealerweise bringen sie
Das dialogische Lesen** stellt dabei den
les als auch den Aufbau deutscher Sprach-
selbst Freude an Bilderbüchern und lite-
methodischen Kern dar: Die pädagogi-
kompetenzen, weil neue sprachliche For-
ralen Praktiken mit, sodass sie den Kin-
sche Fachkraft nutzt offene Fragen,
men an vertraute Bedeutungsnetzwerke
dern das Interesse an Geschichten und
Kommentare, Wiederholungen und mo-
angebunden werden.
Sprache authentisch vorleben können. ■
dellierende Erweiterungen, um Kinder
von einer rezeptiven in eine produktive
Rolle zu bringen. Sie fördert so nicht nur
den Wortschatz und das Verstehen komplexer sprachlicher Strukturen, sondern
auch narrative Fähigkeiten, Perspektivenübernahme und metasprachliche
Aufmerksamkeit. Die täglich stattfindende dialogische Vorlesesituation
macht Sprache zum Gegenstand gemeinsamer Aushandlung und stützt so
nachhaltige sprachliche Lernprozesse.
Nicht alle Kinder wachsen mit
Deutsch als einziger Sprache auf –
viele bringen zu Hause noch eine
oder mehrere weitere Sprachen mit.
*Early Literacy beschreibt die frühen Erfahrungen, die Kinder mit Sprache, Schrift
Wie kann das Vorleseband so gestal-
und Geschichten machen – lange bevor sie lesen und schreiben lernen. Bereits im
tet werden, dass es all diese Kinder
Kindergarten setzen sie sich mit Büchern und Erzählungen auseinander und entwi-
mitnimmt?
ckeln dabei wichtige Grundlagen für den späteren Schriftspracherwerb.
Im Kontext von Early Literacy gelten
**Praxis-Tipps zum dialogischen Lesen finden Sie auf S. 42
mehrsprachige Erfahrungen zunehmend als Ressource, die gezielt in literale Praktiken eingebunden werden
sollte. Das Vorleseband bietet dazu einen geeigneten Rahmen, weil es regelmäßig stattfindet und Raum für sprachliche Vergleiche, Übersetzungen und
Perspektivwechsel öffnet.
In diesem Verständnis kann das Vorleseband so gestaltet werden, dass Familiensprachen systematisch sichtbar werden:
Kinder werden eingeladen, Schlüsselbe-
Prof. Dr. Timm Albers ist seit 2014 Professor
für Inklusive Pädagogik an der Universität
Paderborn, wo er den gleichnamigen Arbeitsbereich leitet. Seine Forschungsschwerpunkte
umfassen Inklusion in Kindertageseinrichtungen
und Schulen, Spracherwerb sowie alltagsintegrierte Sprachförderung, Mehrsprachigkeit und
Umgang mit Kindern mit Fluchterfahrung in
Kindertageseinrichtungen. Er ist Mitglied des
wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Lesen
und hat die wissenschaftliche Leitung des
Kompetenzzentrums „Kinder.Sprachen.Zukunft“
zur frühen Sprachbildung in Hessen inne.
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