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Verschiedene Wege zur Ausleihbibliothek –
einer passt auch zu Ihrer Kita
72 Bücher im Regal sehen schön aus. Aber ihr eigentlicher Wert
entfaltet sich erst, wenn sie in den Familien ankommen. Dafür
braucht es ein Ausleihsystem. Erfahrungen aus verschiedenen
Fröbel-Kitas zeigen: Jede Einrichtung muss das für sie passende System finden:
Bücherkisten stehen bereit: Einmal wöchentlich ist Bücherausleihtag und Familien können sich für eine Woche Bücher
Warum Vorlesen so viel mehr ist als eine nette Routine
ausleihen und tragen sich dafür in eine Liste ein, praktisch und
unkompliziert.
Wer einem Kind vorliest, schenkt ihm weit mehr als eine Geschichte. Vorlesen erweitert den Wortschatz, stärkt das Sprach-
Kinder übernehmen die Bibliothek: An einem festen Wochentag
gefühl und weckt Empathie. Kinder versetzen sich in Figuren hi-
werden Kinder zu Bibliothekarinnen und Bibliothekaren. Sie be-
nein, stellen Fragen und denken weiter. Der Vorlesemonitor der
stücken die Bücherkisten, verleihen Bücher während der Abhol-
Stiftung Lesen zeigt allerdings: Einem Drittel der Kinder zwi-
zeit, nehmen Rückgaben entgegen und haken Namenslisten ab.
schen einem und acht Jahren in Deutschland wird selten oder
nie vorgelesen. Die Gründe reichen von fehlendem Bewusstsein
Familien und Ehrenamtliche als Bibliotheksteam: Familien und
über Zeitmangel bis hin zu einem ganz praktischen Problem: Es
ehrenamtlich Engagierte übernehmen die Ausleihe, halten Ord-
fehlen die passenden Bücher. Für Familien, deren Familienspra-
nung und reparieren ramponierte Bücher. Eine Fachkraft steht
che nicht Deutsch oder eine weit vertretene europäische Spra-
als Ansprechperson bereit. Dieses Modell entlastet das Team
che ist, ist es manchmal gar nicht so leicht, an passende Kinder-
und stärkt zugleich die Verbindung zwischen Kita und Familien.
bücher zu kommen. Hier können Kitas eine entscheidende Rolle spielen: nicht nur als Ort, an dem vorgelesen wird, sondern als
Fertig gepackte Büchertaschen – einfach mitnehmen: Eine
Brücke, die das Vorlesen in die Familien trägt.
Fachkraft stellt Büchertaschen zusammen, sortiert nach Alter
und Themen. Familien nehmen eine Tasche mit und bringen sie
Ja, bitte vorlesen – in jeder Sprache!
nach einer Woche zurück. Der Aufwand liegt im Vorfeld, dafür
ist die Ausleihe selbst maximal niedrigschwellig.
Aber ist es sinnvoll, Kindern, die noch in der Sprachentwicklung
sind, auf mehreren Sprachen vorzulesen? Die Antwort aus For-
Ein Bücher-Ausleihsystem ist ein wichtiger Baustein im System
schung und Praxis ist klar: Unbedingt! Vorlesen entfaltet seine
der Sprachbildung in der Kita. Es verbindet das Vorlesen in der
Wirkung in jeder Sprache. Es kommt darauf an, dass die Sprache
Kita und der Familie und ist als niedrigschwelliges Angebot für
sich für Kind und Familie vertraut und richtig anfühlt. In den Kin-
alle Familien nutzbar. ■
dertageseinrichtungen von Fröbel wird Mehrsprachigkeit als
Bereicherung für alle Kinder gelebt. Pädagogische Fachkräfte
bestärken Familien darin, ihre Familiensprache zu sprechen und
schaffen im Alltag immer wieder Momente, in denen Kinder ihre
Familiensprache(n) erleben.
Die Buchpakete sind über Dussmann das Kulturkaufhaus
Das Projekt ViaS – Vorlesen in allen Sprachen
erhältlich – als Gesamtpaket oder individuell zusammengestellt. Die Stiftung Lesen hat dazu eine Broschüre mit Vorle-
Gemeinsam mit der Stiftung Lesen hat Fröbel überlegt: Wie lassen
setipps und Praxisideen zu den einzelnen Titeln entwickelt.
sich Familien beim mehrsprachigen Vorlesen noch gezielter unter-
Die wissenschaftliche Begleitung lag bei der Georg-August-
stützen? Die Antwort ist so naheliegend wie wirkungsvoll: mit Bü-
Universität Göttingen. Die Broschüre „Vorlesen in allen Spra-
chern, die tatsächlich in den Familiensprachen verfügbar sind – und
chen – Informationen für pädagogische Fachkräfte“ sowie
die über die Kita direkt zu den Familien nach Hause kommen.
weitere Informationen zum gesamten Projekt finden Sie hier:
Im Rahmen von ViaS wurden alle Fröbel-Einrichtungen mit ei-
froebel-gruppe.de/vorlesen-in-allen-sprachen
nem Buchpaket aus neun ausgewählten Titeln ausgestattet. Jedes Buch liegt in acht Sprachen vor: Arabisch, Deutsch, Farsi,
Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch und Ukrainisch – das ergibt 72 Bücher pro Kita. Die Kinder erleben dieselbe Geschichte in der Einrichtung auf Deutsch und können sie zu Hause in ihrer Familiensprache noch einmal hören. So entsteht eine Brücke
zwischen zwei Sprachwelten, die das Kind täglich erlebt.
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