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Die kindliche Entwicklung erfolgt in den ersten Lebensjahren in
Besondere Herausforderungen ergeben sich, wenn Kinder als
einer rasanten und fundamentalen Weise und bildet die Grund-
Umgebungssprache kaum Deutsch und/oder andere Familien-
lage für weitere Lern- und Kompetenzerwerbsprozesse. Kinder
sprachen sprechen und ihre sprachlichen Kompetenzen deshalb
sind besonders in den ersten drei Lebensjahren darauf angewie-
schwer einzuschätzen sind. Hier stehen neben kostenlosen
sen, dass sie sowohl im familiären Umfeld als auch in erweiter-
Screenings für zweijährige Kinder (SBE-2-KT, Arbeitsgruppe um
ten sozialen Settings, wie z. B. Kita, eine wohlwollende und
Prof. Steffi Sachse, PH Heidelberg) in Kürze auch Neuentwick-
sprachanregende Lernumgebung vorfinden. Wenn Kinder im-
lungen wie der TEBIK 4–8 (Gagarina et al, 2025) zur Verfügung.
mer wieder die Gelegenheit erhalten, ihre Empfindungen und
Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen und aktiv an Interaktio-
Fachkräfte in Kitas haben den Bildungsauftrag, die sprachliche
nen teilzunehmen, hat das eine starken Einfluss auf ihre Kom-
Kommunikation von Kindern in der deutschen Sprache geeignet
munikationsfähigkeit und damit auf ihren Spracherwerb.
zu unterstützen und ihnen eine breite Basis an Lern- und Kompetenzerwerbsmöglichkeiten zu bieten. Da die in der Schule
Im Bildungskontext sind sprachliche Kompetenzen stark an
vermittelten Inhalte sehr eng an die deutsche Hochsprache ge-
die deutsche Hochsprache gebunden, welche die Grundlage
bunden sind, stellen Kompetenzen in der deutschen Sprache ei-
für den späteren Schriftspracherwerb bildet. Jedoch existie-
nen wichtigen Aspekt für soziale Teilhabe dar. Zudem wird in ak-
ren im gesamten Bundesgebiet viele Dialekte und Regiolekte,
tuellen Untersuchungen deutlich, dass bereits im Krippenalter
die nicht nur auf Wortebene Besonderheiten gegenüber der
sprachliche Kompetenzen von pädagogischen Fachkräften als
Hochsprache aufweisen. Darüber hinaus wächst in Deutsch-
stark unterstützungsbedürftig bei Kindern mit Entwicklungsri-
land etwa jedes vierte Kind mit anderen Familiensprachen auf.
siken eingeschätzt wird.
Dadurch ergibt sich eine große Heterogenität in den Spracherwerbsbiografien der Kinder. Diese lassen sich kaum mit dem
Neben der Fachexpertise, die pädagogische Fachkräfte für die
normierten deutschen Spracherwerb vergleichen, der an den
Sprachstandserfassung entwickeln müssen, um Methoden der
analytischen Sprachlernstil gebunden ist, mit dem einsprachi-
Dokumentation sowie spezifische Verfahren (wie Lerngeschich-
ge Kinder mit deutscher Umgebungssprache aufwachsen. Be-
ten, Beobachtungsbögen wie SYSMIK, Screenings oder gar
ginnend mit der Präverbalisierung im ersten Lebensjahr er-
Testverfahren) nutzen zu können, existieren bundesland- und
streckt sich dieser über verschiedene Stadien, wie dem Erwerb
trägerspezifische Forderungen, die Fachkräfte in der Praxis um-
von Worten bis hin zur sogenannten Wortschatzexplosion im
setzen sollen. Dies führt häufig dazu, dass mehrere Verfahren
zweiten Lebensjahr. Er geht über in die zunehmend grammati-
parallel eingesetzt werden. Daraus entsteht ein zeitlicher und
kalische und pragmatische Komplexität des Kommunizierens
organisatorischer Mehraufwand, der in der Praxis selten in eine
und des Interagierens. Neben diesem Normverlauf, der auch in
Intensivierung von sprachanregenden Bildungsprozessen so-
Sprachtests hauptsächlich abgebildet wird, sollten pädagogi-
wohl gegenüber Kindergruppen als auch einzelnen Kindern
sche Fachkräfte weitere Merkmale des kindlichen Spracher-
mündet oder gar Förderprozesse initiiert.
werbs erfassen:
• Die Familien- und Umgebungssprachen: Seit wann
ist das Kind von deutscher Sprache umgeben,
in welchem Umfang und welcher Qualität?
• Wie gut sind die Sinne, z. B. das Hören, entwickelt?
Wie gestaltet sich die allgemeine Entwicklung
in anderen Bereichen (z.B. Motorik oder emotionalsoziale Entwicklung)?
• Inwiefern sind die Interaktionen im Kita-Kontext
oder auch in häuslicher Umgebung, die mit dem Kind
gestaltet werden, aktiv sprachanregend?
• Welche sozialen und emotionalen Aspekte sind
förderlich bzw. hemmend (z. B. kindliche Ängste)?
• Wie kommuniziert das Kind in verschiedenen
Situationen und gegenüber verschiedenen Personen
(Eltern, Fachkräften und anderen Kindern)?
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