260907_KINDgerecht_Inhalt_210x285_DRUCK_01 - Flipbook - Page 40
Zweitens ist die sprachanregende Lernumgebung im Sinne der
zeitlichen, materiellen und bildungsprozessorientierten Gestaltung zu evaluieren:
• Welche zeitlichen Ressourcen stehen mir als Fachkraft
und uns als Team zur Verfügung, um sprachanregende
Bildungsprozesse zu planen, umzusetzen und deren
Wirksamkeit zu prüfen?
• Welche Materialien stehen den Kindern zur Verfügung
und wie werden diese im Alltag eingesetzt?
• Im Sinne einer kritischen Selbstreflexion: Wie sprachund interaktionsanregend kommuniziere ich selbst und
andere Fachkräfte mit den Kindern?
• Wie können wir kommunikationsreiche Situationen unWir sehen hier verschiedene Aspekte, die pädagogische Fach-
ter Kindern anregen?
kräfte und Teams bei der Sprachstandserfassung beachten soll-
• In welchen Situationen und wie gut können wir im päda-
ten und in denen sie geeignete Unterstützung erfahren sollten.
gogischen Alltag Kinder im individuellen Kontakt bzw. in
Diese fassen wir in zwei Themen zusammen:
Kleingruppen und in Bezug auf ihre spezifischen Bedarfe
und Interessen in der aktiven Interaktion unterstützen?
Erstens sollte zwischen der praxisorientierten Sprachstandserfassung im Sinne einer prozessorientierten Erhebung für jedes
Kind und den Instrumenten des Bildungsmonitorings von Trä-
• Wo liegen besondere Hürden und wie lassen sich diese
überwinden?
gern oder des Bundeslandes, die dem Zweck der Ermittlung des
• Wie können wir Kinder mit spezifischen Unterstüt-
Sprachförderbedarfs und der Steuerung der Bereitstellung
zungsbedarf stärker fördern und wie können therapeu-
zusätzlicher Ressourcen dienen, unterschieden werden. Die
tische Impulse ggf. in den pädagogischen Alltag über-
prozessorientierte Analyse des Sprachstandes eines Kindes
tragen werden?
schließt folgende Aspekte für pädagogische Fachkräfte ein:
• Erweitern sich die kommunikativen/verbal-sprachlichen
Kompetenzen des jeweiligen Kindes?
• Worin liegen besondere Interessen und Begabungen des
Kindes?
• Wie kann ich Informationen zum Spracherwerb in den
Familiensprachen erlangen?
• Worin stagniert die Entwicklung?
• Worin bedarf es intensiverer Unterstützung?
• Wie kann ich als Fachkraft/können wir als Team sprachanregende Bildungsprozesse besser im pädagogischen
Alltag umsetzen?
• Welche Kinder benötigen mehr Unterstützung?
• Wie gestalten wir die Zusammensetzung der Gruppen,
damit alle Kinder ausreichend Anregungen zur aktiven
Kommunikation erhalten?
• An welcher Stelle muss ich sorgeberechtigte Personen
stärker beraten, sprachanregende Kommunikation mit
den Kindern zu pflegen?
• Wann und wie ist zusätzliche therapeutische Unterstützung notwendig?
40
Grundlegend zeigt sich, dass Kinder bis zum Schulbeginn durch
verschiedene Stellen (z. B. pädagogische Einrichtungen, Kinderärztinnen und Kinderärzte , Schuleingangsuntersuchungen) und
auch bundeslandspezifische Dienste (z. B. heilpädagogische
Fachdienste) hinsichtlich des Sprachstandes begutachtet werden. Dies steht jedoch kaum in einem passenden Verhältnis
dazu, wie viel Unterstützung Kinder tatsächlich in ihrem Kompetenzerwerb der Kommunikation, Interaktion, Familiensprachen und der deutschen Hochsprache erhalten.