260907_KINDgerecht_Inhalt_210x285_DRUCK_01 - Flipbook - Page 53
terstützung und vielfältigen Materialien
sprochen wird (oder im Zweifel nachge-
ren, inklusiveren Praxis gearbeitet wird.
wie Büchern oder Bildkarten sowie Vor-
fragt wird), am Ton, im ersten Gespräch.
Ich möchte dazu beitragen, Diversität
leseaktionen mit den Familien in ihren
Familien spüren, ob sie mit echtem Inte-
selbstverständlich zu leben und Struktu-
Familiensprachen.
resse angesprochen werden. Wird ihre
ren weiterzuentwickeln, die Teilhabe er-
Familiensprache positiv erwähnt? In un-
möglichen und – kurz gesagt – die Sicht-
Manche sagen: „Kinder sollen doch
seren Kitas finden Familien in der Regel
weise auf Migration als „Herausforde-
erstmal Deutsch lernen.“ Warum ist
Bücher in ihrer Sprache – unser Projekt
rung“ zu überwinden. Das können wir in
es trotzdem wichtig, die Erstsprache
Vorlesen in allen Sprachen (ViaS) und
unserem Unternehmen und in unseren
zu stärken?
natürlich unsere zahlreichen Kinder-Bü-
Kitas natürlich nicht allein lösen.
cherboxen sind sichtbare Zeichen der
Sicher in den Familiensprachen zu kom-
Wertschätzung. Aber auch mündlich tra-
Was möchtest du Familien mit
munizieren, ist die beste Basis, um eine
dierte Geschichten können zum Beispiel
internationaler Biografie mit auf den
weitere Sprache darauf aufzubauen. Die
mit einer Toniebox aufgenommen wer-
Weg geben?
Familiensprachen sind also kein Hinder-
den, damit die Kinder sie sich regelmäßig
nis, sondern ein Fundament.
anhören können.
Ich bin aufgrund meiner privaten und beruflichen Erfahrungen eine Befürworterin
Aber es gibt noch weitere wichtige As-
Du bist Mitglied im Beirat für
des frühen Kita-Besuchs. Die Kita ist eine
pekte: Wenn ihre Erstsprache, meist ist
kultursensible Pädagogik bei Fröbel.
riesige Chance: Ihr Kind darf hier Freund-
es die Familiensprache, abgewertet wird,
Warum engagierst du dich dort?
schaften schließen, Deutsch als weitere
betrifft das ihre Identität. Die Familien-
Sprache lernen und gleichzeitig stolz auf
sprache ist ein wertvoller Schatz, den
Durch meine Biografie – als Mutter, Mit-
seine Herkunft sein. Für viele wird die Kita
Kinder mitbringen. Sie stärkt Identität
arbeiterin, ehemalige Leitung und als bi-
zu einer Familie in einem fremden Land.
und Zugehörigkeit, sollte anerkannt und
lingual aufgewachsenes Kind – bringe
Für Familien ein wichtiger Ort der Soziali-
wertgeschätzt und im Familienalltag be-
ich vielfältige Perspektiven mit. Der Bei-
sierung. Und bitte bewahren Sie Ihre Fa-
wusst gelebt werden. Die Unterstützung
rat soll ein lebendiges, dynamisches
miliensprache. Erzählen Sie Geschichten,
der Familiensprache stärkt das Selbst-
Gremium sein, das echte interkulturelle
singen Sie Lieder, sprechen Sie in der
wertgefühl der Kinder und trägt dazu
Dialoge ermöglicht. Ein Raum, in dem
Sprache Ihres Herzens mit ihrem Kind –
bei, sich sicher und wohlzufühlen – und
unterschiedliche Stimmen gehört wer-
das schafft eine gute Grundlage für den
in so einer Atmosphäre können sie am
den und gemeinsam an einer gerechte-
Erwerb weiterer Sprachen. ■
besten lernen.
Mit dem Beirat für kultursensible Pädagogik stärkt Fröbel Vielfalt ganz konkret:
Viele Familien sorgen sich,
Kolleginnen und Kollegen mit eigener Migrations- oder nicht-deutscher Herkunftsge-
dass mehrere Sprachen ihr Kind
schichte bringen ihre Perspektiven ein, um Barrieren für Familien mit unterschiedli-
überfordern könnten.
chen kulturellen Hintergründen zu erkennen und abzubauen. Als Impulsgeber und
Kinder sind sehr unterschiedlich. Manche sprechen sofort, andere hören lange
zu und beginnen erst zu sprechen, wenn
sie sich sicher fühlen. In der Regel ist
Mehrsprachigkeit sprachlich und kognitiv kein Problem. Unterstützen können
beispielsweise klare Strukturen und
Routinen. Und natürlich ein genauer
Blick: Wenn Schwierigkeiten auftreten,
Beratungsgremium unterstützt der Beirat die Geschäftsführung und weitere Bereiche – mit Fokus auf Zugänglichkeit zu unseren Kitas, vorurteilsbewusste und diskriminierungssensible Praxis sowie passende Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote für Fachkräfte.
Mehr Infos zum Beirat für kultursensible
Pädagogik finden Sie hier:
froebel-gruppe.de/
beirat-fuer-kultursensible-paedagogik
haben sie oft andere Ursachen als eine
„sprachliche“ Überforderung.
Woran merken Familien mit internationaler Biografie, dass sie in einer
Fröbel-Kita willkommen sind?
Eine Willkommenskultur zeigt sich nicht
nur in großen Projekten, sondern im täglichen Miteinander, an kleinen Gesten –
Sprache ist ja nicht nur das gesprochene
Wort. Sie zeigt sich am Lächeln an der
Tür, daran, dass der Name richtig ausge-
Anna Ponce Recio,
Mitglied im Beirat für
kultursensible Pädagogik bei Fröbel
53