260907_KINDgerecht_Inhalt_210x285_DRUCK_01 - Flipbook - Page 9
ken. Träger, die den Sprachstand der Kinder systematisch erfas-
Unauffällig
1.926
(72 %)
sen, können Ressourcen auf dieser Grundlage gezielt einsetzen.
Unauffällig
2.099
(79 %)
41 %
der zuvor als auffällig
klassifizierten Kinder haben den
Förderbedarfsbereich verlassen.
(300 von 736 Kindern)
Letzte Beobachtung
Vorletzte Beobachtung
Sprachstand verändert sich
Das Projekt zeigt, dass dies machbar, praktikabel und wirksam ist.
Zweitens: Vorhandene Daten und Systeme effektiv nutzen. Beobachtungsverfahren wie BaSiK werden in einem Großteil der
Bundesländer bereits eingesetzt. Die Datengrundlage liegt also
vielerorts vor, sie wird jedoch selten systematisch ausgewertet.
Erforderlich ist keine neue Erhebungswelle, sondern eine digitale Infrastruktur für die Auswertung und die fachliche Kompetenz, Ergebnisse in pädagogisches Handeln zu übersetzen.
Drittens: Die Steuerungsfähigkeit der Träger stärken. Träger
Auffällig*
736
(28 %)
7%
der zuvor unauffälligen Kinder
rutschen in den Förderbedarfsbereich.
(127 von 1.926 Kindern)
sind die operative Ebene, auf der Qualitätsentwicklung stattAuffällig*
563
(21 %)
findet. Wenn zusätzliche Mittel wirksam eingesetzt werden
sollen, müssen Träger in die Lage versetzt werden, diese Mittel auf Basis konkreter Bedarfsdaten zu steuern, große wie
Status zwischen vorletzter und letzter Beobachtung pro Kind,
N = 2.662 Kinder mit Längsschnitt-Daten (gesamt Fröbel 2- bis 6-Jährige)
kleine. Dafür braucht es politische Rahmenbedingungen, die
*Auffällig = Sprachkompetenz unter altersspezifischer Norm (P25)
die Reform des KiTa-Qualitätsgesetzes, ein bundesweites
Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH, Datenstand 2026–08–09
Monitoring und eine verlässliche digitale Ausstattung der Kitas.
eine datengestützte Ressourcenverteilung fördern, etwa über
Was die Daten zeigen
Fazit
Die ersten Auswertungen verdeutlichen, welches Steuerungs-
Letztendlich führt jeder Datenpunkt zurück zu einem Kind. Die
wissen in den Beobachtungen liegt. Förderbedarfe verteilen
Daten sind kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um För-
sich regional sehr unterschiedlich: Während an manchen Stand-
derbedarf zu erkennen, Unterstützung dorthin zu bringen, wo
orten rund jedes zehnte Kind in einzelnen Sprachbereichen ei-
sie gebraucht wird, und die Wirkung pädagogischer Arbeit
nen erhöhten Förderbedarf hat, ist es andernorts mehr als je-
sichtbar zu machen. Die pädagogische Fachkraft, die im Alltag
des vierte. Solche Befunde sind kein Ranking und kein Urteil
genau hinhört, und die Trägersteuerung, die Ressourcen nach
über einzelne Teams, sondern eine Landkarte von Bedarfen. Sie
Bedarf verteilt, arbeiten dabei am selben Ziel, nur auf unter-
ermöglichen es, zusätzliche Ressourcen wie Fachberatung,
schiedlichen Ebenen. Wenn individuelle Beobachtung, gezielte
Fortbildung oder Personalmittel nicht nach dem Gießkannen-
Förderung und datengestützte Steuerung ineinandergreifen,
prinzip zu verteilen, sondern gezielt dorthin zu lenken, wo sie
sprechen die Daten für das, worum es eigentlich geht: dass
am dringendsten gebraucht werden. Gerade in Zeiten knapper
jedes Kind seine Stimme entwickeln kann und gehört wird. ■
werdender Budgets ist diese Präzision keine Kür, sondern eine
Voraussetzung für wirksame Ressourcensteuerung.
Aufschlussreich sind auch die ersten Längsschnittbefunde.
Von den Kindern, die bei einer Beobachtung einen Sprachförderbedarf zeigten, hatte deutlich mehr als ein Drittel (41 %)
diesen Bereich bei der folgenden Beobachtung wieder verlassen. Zugleich rutschte ein kleiner Teil der zuvor unauffälligen
Kinder neu in den Förderbedarfsbereich. Beide Bewegungen
enthalten eine zentrale fachliche Botschaft: Sprachentwicklung ist dynamisch, Förderung wirkt, und kein Befund ist eine
endgültige Zuschreibung. Genau deshalb braucht es die wiederholte, systematische Beobachtung jedes einzelnen Kindes.
Eine einmalige Erhebung würde sowohl die Kinder übersehen,
die aufholen, als auch jene, die zurückfallen.
Drei Impulse für Träger, Politik und Bildungsverwaltung
Erstens: Sprachstandsdaten als Steuerungsgrundlage anerkennen. Sprachliche Kompetenzen gehören zu den zuverlässigsten
Prädiktoren für den weiteren Bildungsverlauf. Die Qualitätsdebatte sollte sich deshalb nicht auf Strukturmerkmale beschrän-
Annegret Kieschnick und Martin Böhme, Referentin und Referent für
Pädagogik und Qualitätsentwicklung bei Fröbel.
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