Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 13
Wo stehen wir beim Thema Über-
Welche Basiskompetenzen sollte ein
nes aktiven, neugierigen Grundschul-
gang Kita–Grundschule in der
Kind beim Eintritt in die Grundschule
kindes. Wir sprechen viel über die Schul-
aktuellen Bildungslandschaft?
möglichst mitbringen?
fähigkeit der Kinder und darüber, was
Die Kita wird zunehmend als eigenstän-
Als eine der wichtigsten Kompetenzen
sie mitbringen müssen, um die Schule
dige Bildungsinstitution anerkannt. Das
erachte ich die sozialen und emotiona-
erfolgreich zu bewältigen. Wir sollten
führt auch zu einem neuen Blick auf den
len Kompetenzen: Sich in eine Gruppe
jedoch auch häufiger darüber nachden-
Übergang: Während vor einigen Jahren
einordnen, mit anderen interagieren,
ken, ob die Schule kindfähig ist.
noch die Überlegung im Vordergrund
kommunizieren, Konflikte lösen, mit
stand, wie die Kita auf die Grundschule
den eigenen Gefühlen umgehen und
Welche Rolle spielen dabei Koopera-
vorbereiten soll, wird heute gefragt, wie
sich auf andere einstellen. Dies sind Vo-
tionen zwischen Erzieherinnen bzw.
gelungene Formen des Lernens in der
raussetzungen für das soziale Miteinan-
Erziehern und Grundschullehrkräf-
Kita auch auf die Grundschule übertra-
der, das in der Grundschule noch mehr
gen werden können.
ten?
Herausforderungen mit
Um den Kindern die Unsicherheit vor
sich bringt als dies in der
der neuen Situation zu nehmen und am
Kita der Fall war. Aber
bisherigen Bildungsverlauf anzuknüp-
auch motorische Kom-
fen, ist eine enge Zusammenarbeit zwi-
petenzen wie koordinati-
schen Kindertageseinrichtung, Grund-
ve Fähigkeiten, Ausdauer
schule und Elternhaus besonders wich-
beiden Bildungsinstitutionen Kinder-
und die Entwicklung der Wahrneh-
tig. Es wäre schön, wenn pädagogische
garten und Grundschule stellen die Ba-
mungsfähigkeit sind Voraussetzungen
Fachkräfte und Grundschullehrkräfte
sis der Bildungseinrichtungen dar. Dem
für das Lernen und die Bewältigung von
auf die jeweils andere Institution mit
Übergang muss eine große Bedeutung
Alltagssituationen. Dazu gehört bei-
Wertschätzung und Anerkennung be-
beigemessen werden.
spielsweise die Teilnahme am Straßen-
trachten würden, ohne Vorbehalte und
verkehr, aber auch die Beteiligung am
hierarchisches Denken.
Dieser Perspektivenwechsel müsste aus
meiner
Sicht
aber
noch viel stärker be-
„Wir sollten jedoch
auch häufiger darüber
nachdenken, ob die
Schule kindfähig ist.“
achtet werden. Die
Warum sind die frühen Jahre in Kita
Spiel und an Pausenaktivitäten. Sprach-
und die anschließende Grundschule
liche Kompetenzen spielen dabei natür-
Für das Wohlbefinden in der Grund-
so entscheidend?
lich eine wichtige Rolle. Sie sind die Ba-
schule ist die Beziehung zur Lehrkraft
In keiner anderen Lebensphase wenden
sis für die Verständigung mit anderen
von besonderer Bedeutung. In der Regel
sich Kinder mit so großer Begeisterung
und die Voraussetzung für eine aktive
konnten Kinder im Kindergarten bereits
und so viel Neugierde ihrer Umwelt zu
Teilnahme am Unterricht sowie für er-
eine vertrauensvolle Beziehung zu den
wie in den ersten sechs Lebensjahren.
folgreiches Lernen.
pädagogischen Fachkräften aufbauen.
Dies durch ein frühzeitiges Kennenler-
Nie wieder lernen sie so viel Neues und
nen ihrer künftigen Grundschullehrkraft
sind so voller Fragen und Wissensdurst.
Erkenntnisse der Hirnforschung, der
Welche Herausforderungen erleben
fortzuführen, sollte ein wichtiges Ziel
Entwicklungspsychologie und der Kog-
Kinder typischerweise beim Über-
der Kooperation sein.
nitionspsychologie belegen, wie wichtig
gang von der Kita in die Grundschu-
gerade die ersten Lebensjahre für die
le?
Sie haben immer wieder betont:
menschliche Entwicklung sind. Die frü-
Wenn Kinder in die Schule kommen, be-
„Bewegung ist das Tor zum Lernen.“
hen Jahre in Kita und auch in der Grund-
fürchten ihre Eltern vor allem eines:
Wie hängen Motorik und Lernen
schule haben also eine besondere Be-
Hoffentlich kann mein Kind auch ruhig
deutung für den weiteren Entwick-
sitzen. Über längere Zeit still sitzen zu
Die Kindheit ist die lernintensivste, aber
lungsverlauf. Sie legen den Grundstein,
können, wird oft sogar als Merkmal von
auch die bewegungsintensivste Phase
auf dem weitere Lernprozesse aufbau-
Schulfähigkeit genannt. Dabei kommen
in der Entwicklung eines Menschen. Das
en. Zwar ermöglicht die neuronale Plas-
die meisten Kinder mit einer hohen
Tor zum Lernen bilden die körperlich-
tizität, neue Informationen zu jedem
Lernbereitschaft, aber
Zeitpunkt, also auch noch in späteren
auch mit großer Bewe-
Lebensjahren, aufzunehmen, dies ist al-
gungsfreude
lerdings schwieriger als in den ersten
Schule. Hier werden sie
Lebensjahren. Neben den kognitiven
dann
Lernprozessen spielt auch das Vertrau-
konfrontiert, dass ihre Bewegungsbe-
mit ihren Handlungen etwas erreichen
en, das Kinder in ihre eigenen Fähigkei-
dürfnisse auf die Pausen beschränkt
können und nehmen sich so als selbst-
ten aufgebaut haben, eine wichtige Rol-
sind, während der Unterricht vorwie-
wirksam wahr.
le: Wer Erfahrungen mit Selbstwirksam-
gend im Sitzen stattfindet.
schnell
in
die
zusammen?
sinnlichen Erfahrungen.
„Das Tor zum Lernen
bilden die körperlichsinnlichen Erfahrungen.“
die Welt über ihren
Körper und ihre Sinne.
Sie erleben, dass sie
damit
keit gemacht hat und sich selbst etwas
Kinder erschließen sich
Je enger Lernen mit körperlicher Aktivi-
zutraut, wird auch mit einer größeren
Über einen längeren Zeitraum stillzusit-
tät verknüpft wird und je mehr Sinne
Erwartungshaltung ins weitere Leben
zen entspricht keinesfalls den körperli-
dabei angesprochen werden, desto bes-
gehen.
chen und emotionalen Bedürfnissen ei-
ser können Informationen aufgenom-
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