Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 14
men und verarbeitet werden und desto
Grammatikalische Regeln werden ne-
Alltag eingesetzt werden können. Spie-
nachhaltiger wird gelernt. Bewegung
benbei aufgenommen und prägen sich
lerische, bewegungsorientierte, gestal-
unterstützt die Durchblutung des Ge-
ein: „Ich werfe den Ball, du wirfst den
terische und musikalische Angebote
hirns und fördert somit auch die Kon-
Ball zurück“, „der Ball rollt“, „er wird ge-
können dabei eine Brückenfunktion ein-
zentration. Beim Bewegen werden die
rollt“ – aktive und passive Formen, Verb-
nehmen.
motorischen Zentren des Gehirns akti-
flexionen und Artikelgebrauch – so
viert. Diese spielen eine wesentliche
schwierig die deutsche Grammatik auch
Rolle bei der Verarbeitung von Informa-
scheint, beim Spiel mit dem Ball wird sie
*BaSiK steht für „Begleitende
tionen, der Aneignung und der Speiche-
fast „nebenbei“ erfahren und geübt. Vor
alltagintegrierte Sprachbeobachtung
rung von Inhalten. Kinder – aber auch
allem aber ist der Ball ein Medium der
in Kindertageseinrichtungen“
Erwachsene – behalten Zahlen und In-
Kommunikation. Er gibt Anlässe zum
halte zum Beispiel leichter, wenn sie
Sprechen und stärkt gleichzeitig die Mo-
beim Lernen Gesten einsetzen oder sich
tivation, sich zu verständigen und mitei-
rhythmisch bewegen.
nander zu kooperieren.
Sprachentwicklung ist ein zentrales
verbinden Bewegung und Sprachbil-
Bildungsziel in Kitas. Welche
dung erfolgreich miteinander?
konkreten pädagogischen Ansätze
sozialen Kontext, im Austausch mit an-
ten Sprachförderung?
Die Freude am Sprechen, am Austausch
Sie entwickeln es aber auch in Hand-
und an der Kommunikation ist eine we-
lungszusammenhängen, die ihnen wich-
sentliche
tig erscheinen und ihre eigenen Interes-
Spracherwerb. Dies gilt auch und insbe-
sen berühren. Bewegungssituationen
sondere für den Erwerb einer anderen
Voraussetzung
sind solche individuell
Hand-
lungszusammenhänge.
Sie bieten Kindern Anlässe zum Sprechen und
für
den
Sprache als der Fami-
„Bewegung unterstützt
die Durchblutung des
Gehirns und fördert somit
auch die Konzentration.“
erweitern und differen-
liensprache.
Kinder
entwickeln Freude an
Sprache und Sprechen,
wenn sie sich in ihrer
Umgebung wohlfühlen,
zieren ihr Sprachvermögen. Über Bewe-
Vertrauen zu ihren Bezugspersonen
gungsaktivitäten können sprachliche
aufgebaut haben und Gelegenheiten
Lernprozesse provoziert werden. Ein Im-
zur freudvollen Interaktion mit anderen
puls liefert den Anlass für Bewegungs-
Kindern haben.
und Sprachhandlungen. Situationen werden „versprachlicht“. Damit können Be-
Der Erwerb einer neuen Sprache gelingt
wegungsaktivitäten zugleich zu komple-
darüber hinaus umso besser, je mehr er
xen Sprachlernsituationen werden.
an bedeutsame Situationen geknüpft
ist und je mehr die Sprachlernsituatio-
Wie könnte man Sprachförderung im
nen in motivierende Kontexte einge-
Schulalltag stärker mit Bewegung
bunden sind. Daher gilt es, „echte“,
verknüpfen?
sprachanregende
Situationen
als
Impulse für Bewegungs- und Sprach-
Grundlage für Kommunikation und In-
handlungen können beispielsweise vom
teraktion zu finden.
Spiel mit einem Ball ausgehen. Ein Ball
fordert zum Handeln auf, zum Spiel und
Wir haben am nifbe* das Konzept „Be-
zum Ausprobieren – allein oder gemein-
wegte Sprache“ entwickelt und seine
sam mit anderen. Dabei ergeben sich
Wirksamkeit bereits in vielen Projekten
zahlreiche Sprachanlässe: Man kann den
mit sehr jungen Kindern erprobt und
Ball rollen, werfen, fangen, prellen oder
bestätigen können.
auf ein Tor schießen. Dabei werden Bewegungsverben im Handeln erfahren,
Ich empfehle innovative Konzepte der
der Wortschatz wird erweitert und
Sprachförderung, die über handlungs-
gleichzeitig wird auch die Wortbedeu-
orientierte Methoden den Zugang zu
tung erfasst.
den Kindern und zur Sprache unterstützen und bereits bei Kleinstkindern im
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für frühkindliche Bildung und
empfehlen Sie zur alltagsintegrier-
deren – mit Kindern oder Erwachsenen.
bedeutsamen
das „Niedersächsische Institut
Entwicklung“
Welche konkreten Methoden
Kinder entfalten ihr Sprachpotenzial im
*nifbe ist die Abkürzung für
Prof. Dr. Renate Zimmer ist Erziehungswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Frühe Kindheit
und lehrte und forschte als Professorin für
Sportwissenschaft an der Universität Osnabrück.
Sie ist Mitbegründerin des nifbe (Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und
Entwicklung) und leitete das Institut bis 2018.