Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 29
An einem Tisch sitzen ein Junge und ein Mädchen und spielen
ein Brettspiel. Bei dem Spiel „Sau-Bande“ versuchen die Kinder eine dunkle Kugel in ein Loch in der Mitte des Spielfelds zu
bugsieren. Lukas* lacht verschmitzt, während er sein mit Cartoonfiguren dekoriertes Cap geraderückt. Das Mädchen, Liv*,
lacht auf. Es ist eine ganz normale Szene in einem Hort, nur
dass der Junge und das Mädchen erst seit ein paar Tagen dort
sind. Dabei sind die beiden noch gar keine Schulkinder, erst
morgen ist ihre Einschulung.
Lukas und Liv sind zwei von 24 angehenden Erstklässlerinnen
und -klässler, die ab morgen auf die Grundschule Am Mühlenfließ in Frankfurt (Oder) gehen werden. Damit die Kinder die
Grundschule und den Hort kennenlernen, können sie den Hort
schon vor Schulbeginn besuchen. Rund die Hälfte der zukünftigen Erstklässlerinnen und -klässler hat in diesem Jahr die
Chance genutzt und den Hort schon vor dem Schulanfang besucht. „Meist kommen die Kinder für ein paar Tage“, erklärt
Fröbel-Hortleiterin Julia Mierke. „Wir wollen zulassen, dass die
Kinder ihren eigenen Weg finden“, erklärt die Pädagogin. Des-
sigkeit erblicken, rufen sie: „Oh Gott“ und „Sieht ja aus wie
halb bekommen sie Zeit, die neuen Räume und Kinder kennen-
Wackelpudding“.
zulernen. „Wir schauen dabei auf die Bedürfnisse der Kinder.
Manche wollen erst einmal in Ruhe spielen“, so Mierke.
Dass die Kinder Spaß haben, gehört im Hort dazu. Und dass sie
erst einmal alles genau kennenlernen. Hortleiterin Mierke
Zurück bei Liv und Lukas am Spieletisch: „Wir treffen uns zur
sagt: „In der Kita gibt es auch eine Eingewöhnung.“ Daher wol-
Morgenrunde im Essensraum“, sagt Melanie Bornemeier, Er-
len die pädagogischen Fachkräfte den Kindern in einer Art Ein-
zieherin und stellvertretende Leitung im Fröbel-Hort Am Müh-
gewöhnung ermöglichen, sich ein Bild von der Schule zu ma-
lenfließ. „Bitte räumt eure Spiele ordentlich weg“, ergänzt sie.
chen und davon, was im Hort auf sie zukommt. Eine Eingewöh-
Dann gehen alle Kinder hinüber in den Essensraum und setzen
nung für die Schule sozusagen. „Ich sehe uns als Bindeglied
sich an die langen Tische.
zwischen Schule und Familie“, sagt Mierke. Sie spricht von einem Dreieck aus Schule, Hort und Eltern, in dessen Mitte das
Kind steht.
Gebastelte Schultüten für die neuen Hortkinder
„Wir haben intensiv mit der Grundschule zusammen an einem
Neben Hortleiterin Julia Mierke sitzt ein Junge, Julian, der
Konzept gearbeitet, um ein gemeinsames Angebot für die Kin-
heute erst seinen zweiten Tag im Hort verbringt. Auch er wird
der zu entwickeln.“ Schule und Hort arbeiten eng zusammen.
morgen eingeschult. Vor Julian liegt eine kleine, selbst gebas-
So unterstützen etwa pädagogische Fachkräfte die Lehrkräfte
telte Schultüte, darin stecken ein Schokoriegel und ein Stift.
bei einem Bewegungsangebot am Vormittag und gestalten
Auf der Schultüte steht in Schreibschrift ein Willkommensgruß geschrieben.
Jedes neue Hortkind bekommt von den älteren Kindern solch
eine Schultüte gebastelt und vor der Einschulung überreicht.
„Ich habe schon zwei andere Schultüten, jetzt sind es drei“, erzählt Julian stolz. Ob er aufgeregt ist, morgen in die Schule zu
kommen? „Ein bisschen“, sagt er.
In der Morgenrunde wird besprochen, welches Programm es
gibt. Heute können die Kinder versuchen, große Seifenblasen
zu machen. Die Seifenlauge ist schon hergestellt. „Das ist wie
ein Experiment. Wir probieren aus, ob die Seifenblasen funktionieren. Und wenn es nicht klappt, probieren wir etwas anderes“, erklärt Erzieherin Bornemeier. Sie hält zwei große Stangen hoch, an denen Schnüre angebracht sind. Damit sollen die
Kinder später die Seifenblasen machen. Erzieherin Bornemeier kippt die Lauge in zwei Eimer. Als die Kinder die grüne Flüs-
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