Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 31
was im Ranzen ist und Ähnliches.“ Das habe ihm sehr dabei geholfen, sich auf die Schule vorzubereiten. „Wenn ich ihm heute etwas zur Schule erzählen möchte, sagt er nur zu mir:
‚Kannst du uns nicht in Ruhe spielen lassen? Ich weiß doch
schon alles über die Schule.‘ Genau das wollten wir erreichen“,
sagt Mierke.
Kristin Beitz, Referentin bei Fröbel für Pädagogik und Qualitätsentwicklung, betont die Bedeutung der Kita: „Nicht erst
seit gestern wissen wir, dass Bildung ab der Geburt beginnt
und die Kita die erste Bildungsinstitution ist, die ein Kind besucht.“ Deshalb brauche es auch kein explizites Vorschuljahr.
Die Fröbel-Kitas sind mehr als die Schulvorbereitung – sie bereiteten von Anfang an Kinder auf das Leben und damit auch
auf die nächste Bildungsinstitution Schule vor. „Es wäre abstrus, wenn man das alles vom letzten Jahr vor der Schule erwarten würde.“
Zurück im Hortgebäude. An einem Tisch sitzt der angehende
Erstklässler Lukas zusammen mit der Viertklässlerin Mariam.
Die beiden sind ganz vertieft in ein kleines Computerspiel. Auf
die Frage, was Mariam Lukas für die Schule mitgeben würde,
ist Mariam sich ganz sicher: „Ich würde ihm auf jeden Fall raten, nicht gemein zu sein. Schon gar nicht zu hauen.“ „Warum
soll ich mich nicht wehren, wenn mich jemand ärgert?“, will Lukas wissen. Mariam entgegnet: „Ja, aber nur manchmal. Besser ist es, zur Erzieherin zu gehen, wenn dich jemand ärgert.“
Lukas nickt Mariam zu. Dann konzentrieren sich beide wieder
auf das kleine Spielzeug vor ihnen.
ihre Kitafreundinnen und -freunde nicht immer die gleiche
Schule besuchen.
Damit jedes Hortkind weiß, was es in der Schule erwartet, bieten die pädagogischen Fachkräfte ihnen eine eigene Schulund Hortführung an. Hortleiterin Mierke fragt Julian auf dem
Freigelände mit Fußballtoren, ob er Lust auf einen Schulrundgang hat. Julian ist begeistert. Die beiden machen sich auf den
Weg zum Seiteneingang des Schulgebäudes. Mierke zeigt Julian zunächst ein Lager mit Schaufeln, Eimern und Skateboards. Im ersten Stock zeigt sie dem angehenden Erstklässler das Spielzimmer, den Entspannungsraum, die Nähstube,
eine Küche und den Kreativraum. Julian bestaunt jeden Raum,
stellt Fragen und schaut sich alles genau an. Am Ende des
Ältere Kinder helfen Jüngeren
Dass die jüngeren von den älteren Kindern lernen, ist Teil des
Konzepts im Hort Am Mühlenfließ. Hort-Leiterin Mierke sagt:
Rundgangs sagt er: „Es ist wirklich sehr toll hier.“ Worauf er
sich in der Schule freut? „Auf alles“, sagt Julian und strahlt.
*Namen von der Redaktion geändert
„Wer etwas weiß, darf Wissen teilen. Dadurch fühlen sich auch
die älteren Kinder als Teil einer Gemeinschaft.“ Die älteren Kinder erklären den jüngeren zum Beispiel, wo sie ihre Wasserflasche auffüllen können.
Am Tisch neben Lukas und Mariam sitzen Lisa und Julian und
malen. Lisa malt sich mit einer Schablone Bilder auf die Hand,
Lena Högemann ist freie Autorin und Journalistin.
Julian malt lieber auf einem Blatt Papier. Lisa ist schon drei
Mal hier gewesen, auch sie kommt am nächsten Tag in die
Schule. „Ich freue mich darauf, schreiben zu lernen. Und Schultüten mag ich auch.“ Ob sie sich auch Sorgen vor der Einschulung macht? „Ich bin ein bisschen schüchtern. Gut, dass ich
hier im Hort schon Freundinnen gefunden habe.“
Die Frage nach neuen Freundinnen und Freunden, beschäftigt
tatsächlich sehr viele Kinder beim Übergang von der Kita zur
Schule, weiß Fröbel-Referentin Kristin Beitz. Im Rahmen des
Fröbel-Labs, einem Zusammentreffen von überwiegend pädagogischen Fachkräften, die sich vor Ort anschauen, wie der
Übergang von der Kita in die Schule besser gelingen kann, haben die Fachkräfte auch Kinder befragt. „Es geht um sie, daher
wollten wir wissen, was sie bewegt“, erklärt Beitz. Die Frage
nach Freundschaften ist für Kinder sehr wichtig, auch wenn
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