Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 34
hinüber. In der Schulbücherei lesen Schulkinder unseren Kita-
Krippe in den Elementarbereich. Dann folgt der Übergang in
Kindern vor – das stärkt die Beziehungen und gibt den Kindern
die Schule. Bei jedem Übergang ist die Zusammenarbeit mit
Sicherheit.
den Familien von Bedeutung, um dem Kind Sicherheit zu geben.
Weirich: In unserer Kooperation ist die Schulkoordinatorin die
feste Ansprechpartnerin, die die Kinder später in den verschie-
Wir laden die Eltern der aktuellen Vorschulkinder und die Fa-
denen Klassen auch wiedersehen. Das gibt den Kindern Sicher-
milien des letzten Jahrgangs zu einem gemeinsamen Treffen
heit, auch wenn die Klassenleitung noch unbekannt ist. Sie be-
ein. Dabei haben die Eltern die Möglichkeit, sich über ihre Er-
gleitet uns bei den Besuchen und steht den Kindern für Fragen
fahrungen auszutauschen und ganz praktische Fragen zum
zur Verfügung.
frühen Aufstehen, zu Abschieden und zu organisatorischen
Themen zu klären. Uns ist wichtig, die emotionale Stärkung
Welche Wünsche haben Grundschulen an die Institution
Kita?
und Selbstständigkeit der Kinder zu fördern. Wir begleiten die
Kinder dabei, Verantwortung zu übernehmen, sich auf eine Sa-
Schöpgens: Vor allem gut vorbereitete Kinder, die emotional
che zu konzentrieren, Konflikte zu lösen usw. Im Gespräch er-
gestärkt und selbstständig sind. Sie sollten sich idealerweise
klären die älteren Kinder den Eltern selbstständig, was sie
selbstbewusst in großen Häusern orientieren und frei bewe-
können und was sie bewegt.
gen können. Außerdem sollten sie ein Verantwortungsgefühl
für den Umgang mit Materialien und Ressourcen haben, einan-
Gibt es Beispiele, wie ihr das in der Praxis umsetzt?
der zuhören können und demokratische und soziale Grundwer-
Weirich: Wir arbeiten mit einem „Gefühlekoffer“. Dieser bein-
te verinnerlicht haben. Es geht um ganz grundlegende Fähig-
haltet Bücher über Gefühle, eine „Gute-Laune-Karte“ und ei-
keiten. Das ermöglicht den Schulen ein Lernumfeld, in dem sie
nen Freundschaftsteppich mit Gesprächsregeln – damit Kin-
gut anknüpfen können. Und diese Vorstellung von guter Vor-
der lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen und zu benennen.
bereitung für die Schule setzen wir alltagsintegriert für alle
Wir haben eine Beschwerdewand für kindgerechtes Beschwer-
Kinder ab dem ersten Kita-Tag um. Die Kinder wachsen ganz
demanagement und einen „Übergangskoffer“, der übers Wo-
natürlich durch unsere Form der Gemeinschaft und unsere pä-
chenende mit nach Hause genommen werden kann. An einer
dagogischen Angebote hinein.
Schuhstation können Kinder in ihrem eigenen Tempo und spielerisch das Schleife binden üben. In unserer Einrichtung steht
Was braucht es für den gelingenden Übergang in die
allen Kindern ein Schulranzen mit Federtasche zur Verfügung.
Schule?
Die Kinder mögen es, Mappen und Papiere hineinzustellen, die
Schöpgens: Übergänge gibt es viele, und sie alle liegen auf
Federtasche in Ordnung zu bringen und den Ranzen aufzuset-
dem Weg eines Kita-Kindes in die Schule: Die Eingewöhnung
zen. Insgesamt beschäftigt sie das Thema, auch in Rollenspie-
ist der erste Übergang von zu Hause in die Kita bzw. von der
len. Das bietet tolle Gesprächsanlässe für Kinder und pädagogische Fachkräfte. Außerdem fragen wir die Kinder vor dem
Materialfundus in der Ideenschmiede
Schulstart: „Worauf freust du dich? Was macht dir Sorgen?“
Die Antworten sind erhellend und fließen in unsere Planung
ein. Wir nehmen zudem an dem Präventionskurs „Mut tut gut“
teil. Dabei handelt es sich um ein speziell für Kinder entwickeltes Training zur Gewaltprävention.
Wo seht ihr noch Potenzial in der Zusammenarbeit mit
Grundschulen?
Weirich: Durch Corona ist es schwieriger geworden, kontinuierlich Kontakte zu halten. Gründe sind Personalmangel und
häufige Leitungswechsel. Aber es hilft nur, weiterhin aktiv zu
bleiben! Ein Anruf in der Schule genügt, um zu fragen, ob ein
kurzer Schulhofbesuch oder ein Rundgang außerhalb der Pausen möglich ist. Solche kleinen, verbindlichen Schritte helfen.
Wir planen außerdem einen Kooperationskalender für Kitas
und Schulen, der schon bei den Vierjährigen ansetzt und gemeinsame Termine sichtbar macht – vom Elternabend bis zu
Aktionen im Veedel.
Schöpgens: Man sollte nicht auf perfekte Bedingungen warten,
sondern einfach machen. Die Kinder profitieren sofort, und Beziehungen wachsen mit jeder unkomplizierten Begegnung.
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