Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 36
Internationale Perspektiven
Australien: „Der Schulstart ist kein Bruch.“
In Australien spielen Kindergärten und Preschools eine
Schlüsselrolle beim Übergang in die Schule. Doch anders als in
Deutschland spricht man dort kaum von „Vorschulbildung“.
„Wir nennen es lieber School Preparedness“, sagt Olde Lorenzen,
Geschäftsführer von Fröbel Australien. „Es geht darum, Kinder
innerlich stark zu machen – neugierig, selbstbewusst und resilient.“
Eltern sind in diesen Prozess eng eingebunden – jedoch nicht,
um zu Hause Schulvorbereitung zu betreiben, sondern als Partner. Sie nehmen an Infoabenden teil, bringen ihre Sichtweisen
ein und begleiten ihr Kind vor allem emotional. „Gerade wenn
Familien vor besonderen Herausforderungen stehen, suchen wir
das intensive Gespräch“, so Lorenzen.
Auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen – sei es sprachlicher,
sozial-emotionaler oder gesundheitlicher Natur – werden frühzeitig einbezogen. „Wir fragen sie direkt: Wie fühlst du dich?
Was wünschst du dir für die Schule?“ So gestalten sie den Übergang aktiv mit.
Was könnte Deutschland davon übernehmen? Für Lorenzen ist
es vor allem die klare Struktur: gesetzlich verankerte Übergabedokumente, digitale Plattformen und definierte Zuständigkeiten. „Das schafft Sicherheit und Kontinuität – für Kinder, Eltern
und Fachkräfte.“ Ebenso entscheidend sei die Haltung: „Der
Schulstart ist kein Bruch, sondern ein Entwicklungsschritt. Es
Frühpädagogische Fachkräfte begleiten diese Entwicklung oft
geht nicht um Schulfähigkeit im klassischen Sinne, sondern da-
über Jahre und lernen die Kinder dabei sehr gut kennen. Sie do-
rum, Kinder in ihrer ganzen Persönlichkeit zu stärken.“
kumentieren, wo die Kinder stehen, was sie interessiert und wie
sie sozial eingebunden sind. Dieses Wissen wird später mit den
Schulen geteilt – ein entscheidender Baustein für einen gelungenen Start.
„In den Monaten vor der Einschulung ist der Übergang überall
spürbar“, erzählt Lorenzen. Projekte drehen sich um das Thema
Schule, Kinder spielen mit Uniformen, besuchen Grundschulen
und feiern ein „Going to School“-Fest. Bei Fröbel gibt es dabei
sogar eine Schultüte – eine Idee aus Deutschland, die australische Familien begeistert aufgreifen.
In Australien sind die sogenannten Transition Statements besonders wichtig. Sie sind gesetzlich vorgeschrieben und werden
gemeinsam mit dem Kind und seinen Eltern erstellt. Darin sind
nicht nur die Entwicklungsstände, sondern auch die Interessen,
die sozialen Fähigkeiten und Empfehlungen für die erste Zeit in
der Schule vermerkt. So können Schulen direkt an die individuelle Entwicklung anknüpfen.
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Olde Lorenzen,
Geschäftsführer Fröbel Australien