Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 45
formationen erhoben und weitergegeben, die beispielsweise die
nahmen haben, bitten wir die Eltern selbst um eine Schweige-
medizinische Versorgung betreffen.
pflichtentbindung und setzen uns anschließend mit der Kita in
Verbindung.
Entwicklungsgespräche in den Kitas sind natürlich trotzdem sehr
wichtig und richtig, aber man kann sie nicht mit der SEU verglei-
Auch in die andere Richtung wäre eine Einschätzung der Kita für
chen. Vielmehr können die Einschätzungen der Pädagoginnen
uns immer hilfreich. Gerade bei Kindern, bei denen die Entschei-
und Pädagogen unsere Beurteilung gut ergänzen und sind daher
dung für Einschulung oder Rückstellung nicht ganz eindeutig ist,
auch für uns wirklich wertvoll.
erkundigen wir uns stets, wie die Kita das sieht. Wir freuen uns,
wenn die Eltern eine Stellungnahme der Kita dabeihaben.
Für wen ist die SEU besonders relevant?
Unserer Meinung nach ist die SEU für alle Kinder wichtig. Jedes
Welche Chancen hätte eine engere Verzahnung?
Kind hat es verdient, individuell gesehen zu werden, mit all sei-
Es ist wichtig, dass Kita-Pädagoginnen und -Pädagogen ein-
nen Besonderheiten, die es mitbringt. Es gibt allerdings auch Kin-
schätzen können, welche Anforderungen auf die Kinder in der
der, bei denen ohne unsere Beurteilung klar ist, wie der weitere
Schule warten – nicht nur im Hinblick auf Zahlen oder Silben, son-
Weg aussieht. Viele Eltern und pädagogische Fachkräfte haben
dern vor allem in Bezug auf soziale und emotionale Kompetenzen
sich bereits wichtige Gedanken gemacht und könnten die Ent-
sowie die Selbstständigkeit. Die Vorbereitung der Kinder darauf
scheidung gut allein treffen. Aber es gibt auch
zahlreiche Familien, die aus den unterschiedlichsten Gründen Unterstützung benötigen –
sei es bei der Entscheidungsfindung oder auf
dem weiteren Weg.
Nicht selten finden die Untersuchungen gar
nicht oder erst kurz vor Schulbeginn statt
– entweder es fehlt an medizinischem
Personal oder die Eltern erscheinen nicht
in der Kita finde ich sehr wichtig. Natürlich sind
„Ideal wäre es, wenn in
komplexen Fällen alle
Beteiligten – Kita, Schule,
Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, Therapeutinnen, Jugendamt, Eingliederungshilfe und Eltern
– an einem Tisch säßen.“
zum Termin. Wie sinnvoll ist dieser Pflichttermin dann?
Das stimmt so nicht. Dass die Untersuchungen nicht stattfinden,
auch die Eltern dafür zuständig, aber Eltern sind
eben nicht pädagogische Fachkräfte – erst
recht nicht für die eigenen Kinder.
Die SEU bringt einen objektiven und medizinischen Blick ein, der den pädagogischen ergänzt.
Ideal wäre es, wenn in komplexen Fällen alle Beteiligten – Kita, Schule, Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, Therapeutinnen, Jugendamt,
Eingliederungshilfe und Eltern – an einem Tisch
säßen. Solche Runden finden zwar statt, bleiben aufgrund begrenzter Ressourcen aber selten.
betrifft nur einen sehr kleinen Bruchteil der Kinder. Die Zeit der
Corona-Pandemie müssen wir hier natürlich ausklammern. Selbst
Kinder sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft – meiner Mei-
wenn ein Landkreis es beispielsweise nicht schafft, die Untersu-
nung nach sogar der wichtigste. Darum müssen wir uns als Sor-
chungen abzuschließen, werden andere Landkreise um Amtshilfe
getragende für ihr gesundes und glückliches Aufwachsen einset-
gebeten. Die Stadt Potsdam hat auf diese Weise im letzten Jahr
zen, denn das können sie nicht allein. Sowohl das Gesundheits-
etwa 200 Untersuchungen für Kinder eines Nachbarkreises
system als auch das Bildungssystem sind hoch belastet. Daher
durchgeführt. Die SEU nimmt in allen Gesundheitsämtern höchs-
sollten wir gut zusammenarbeiten und die Hinweise der anderen
te Priorität ein. Wenn Kinder auch nach mehrmaligen Einladun-
achten und beachten – zum Wohl der Kinder und Familien.
gen nicht von den Eltern vorgestellt werden, sind wir verpflichtet, dies dem Schulamt zu melden. Das Schulamt löst daraufhin
eine Meldung an das Jugendamt aus. Alle Behörden sind wirklich
äußerst bemüht, dass kein Kind vergessen wird.
Dr. med. Judith Freytag, Bereichsleitung Kinder und
Jugendliche im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Potsdam
Kitas erhalten keine Rückmeldung von der SEU, obwohl sie
bestenfalls noch ein Jahr lang das Kind in ihrer Einrichtung
begleiten und fördern. Warum ist das so und wo sehen Sie
Potenziale für eine bessere Kooperation der Bildungseinrichtungen?
Ein direkter Austausch zwischen Kita und Gesundheitsdienst
wäre häufig hilfreich, ist aber nur mit Zustimmung der Eltern
möglich. Datenschutzrechtlich dürfen keine Informationen weitergegeben werden, solange keine Schweigepflichtentbindung
vorliegt. Die Kitas könnten die Eltern ansprechen und ihnen bei
Bedarf nahelegen, den Austausch zu erlauben.
Wenn wir das Gefühl haben, dass es für die weitere Förderung der
Kinder wirklich wichtig ist, dass auch die Kita involviert wird –
etwa, weil die Eltern Probleme in der Umsetzung von Fördermaß-
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