Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 49
Gruppendiskussionen als Türöffner
• Was wünschen sich Kinder in dieser Übergangsphase?
Diskussionen über das letzte Kitajahr oder die Vorschule wer-
• Wie gehen wir mit diesen Wünschen und Vorstellungen in
den in der Regel von Erwachsenen geführt. Kinderstimmen
Was brauchen sie aus ihrer Sicht für den Schulstart?
der Kita um, wie tragen wir sie an die Schulen heran?
fehlen dabei weitgehend. Bei Fröbel entstand daher die Idee,
• Wie können wir dafür sensibilisieren, wie wichtig
Kinder stärker einzubeziehen. Pädagogische Fachkräfte aus
Freundschaften bzw. andere Bezugspersonen
verschiedenen Einrichtungen führten Gruppendiskussionen
(z. B. Geschwister) für Kinder in der Schule sind?
anhand eines Leitfadens durch, in denen die Kinder offen erzählen und sich austauschen konnten. So erhielten sie Raum,
• Wie können wir Kindern Sicherheit geben, die vielleicht
noch niemanden in der neuen Schule kennen?
ihre Gedanken zu Vorfreude, Wünschen, Fragen oder auch Unsicherheiten zu teilen.
Wenn wir die Kinder, ihre Vorstellungen, Wünsche, Anregungen,
Meinungen sowie ihre Ängste und Sorgen mit in die Gestaltung
Freundschaften, Freizeit und Essen –
des Übergangs von der Kita in die Grundschule einbeziehen, er-
zentrale Ergebnisse der Erhebung
weitert sich unser Blick auf diesen wichtigen Prozess. Die Kin-
Ein wichtiges Thema, das Kinder bei ihrem Start in die Grund-
teure wahr. So entstehen Übergänge, die nicht nur von Erwach-
schule sehr bewegt und das immer wieder benannt wird, sind
senen geplant, sondern gemeinsam mit den Kindern gestaltet
Freundschaften. Vielen Kindern ist es besonders wichtig, ge-
werden – und damit umso erfolgreicher gelingen können.
der fühlen sich ernst genommen und nehmen sich selbst als Ak-
meinsam mit bestehenden Freunden und Freundinnen in die
Schule zu gehen. Freundschaften geben ihnen Sicherheit, wenn
sie in eine neue Umgebung kommen und sich ihr Alltag verän-
Kinderperspektive bei Fröbel
dert. Kinder fühlen sich in der Schule wohl und gestärkt, wenn
Für Fröbel ist die Kinderperspektive ein zentraler Bestandteil
sie wissen, dass sie dort schon jemanden kennen, mit dem sie
guter pädagogischer Arbeit und Qualitätsentwicklung. Des-
ihre Erfahrungen teilen können.
halb wird sie künftig noch konsequenter in unseren Einrichtungen aufgegriffen und fest verankert. Indem wir die Sichtwei-
In vielen Aussagen der Kinder spiegelt sich wider, dass sie auch
sen, Ideen und Bedürfnisse der Kinder kontinuierlich in unsere
in der Schule noch „malen“ und „spielen“ wollen, dass sie also
Praxis einbeziehen, schaffen wir Räume, in denen Kinder ernst
weiterhin ihren eigenen Interessen und verschiedenen Aktivitä-
genommen werden und ihre Rolle als aktive Mitgestaltende
ten nachgehen möchten. Sie interessieren sich sehr für die
erleben können.
Spielplätze der Schulen und wünschen sich „große Rutschen“ an
den Gebäuden, mit denen sie „bis zum Schulhof“ rutschen kön-
Die Einbeziehung der Kinderperspektive in die Qualitätsentwick-
nen. Letzteres kennen manche aus ihrer Kita. Sie freuen sich auf
lung ermöglicht es, den pädagogischen Alltag stärker an den tat-
die Pausen, in denen sie sich frei(er) bewegen und „draußen
sächlichen Bedürfnissen und Lebenswelten der Kinder auszurich-
spielen“ können.
ten. Wenn Kinder ihre Sichtweisen einbringen, wird Qualität nicht
nur aus Erwachsenensicht definiert, sondern gemeinsam mit
Ein wichtiges Thema für die Kinder ist das Essen. Sie machen
denjenigen gestaltet, die im Zentrum unserer Arbeit stehen.
sich erstaunlich viele Gedanken darüber, wie die Essensregelung in der Schule ist, welche Speisen es gibt, was sie selbst
mitbringen müssen, ob sie mitentscheiden dürfen, was es gibt
– und vor allem, ob es ihnen schmeckt.
Wie können wir die Stimmen der Kinder nutzen?
Kinder denken nicht nur an Leistung, Noten und Fähigkeiten, sondern ebenso an ihr Wohlbefinden. Sie wissen, dass sie Unterricht
haben, „pünktlich“ sein müssen und „keinen Quatsch machen“
dürfen. Sie freuen sich auf Lesen, Schreiben, Hausaufgaben,
„Kleinbuchstaben“, „größere Wörter“, „Kunst“ oder „das Plus, das
Mal und das Minus“. Gleichzeitig beschäftigen sie mindestens
ebenso sehr Freundschaften, Hobbys, Pausen und gutes Essen.
Kassandra Ribeiro, Referentin für Pädagogik
und Qualitätsentwicklung bei Fröbel
Während Bildung, Politik und Gesellschaft den Fokus auf Kom-
Die Gespräche der Kinder wurden mit Audiogeräten
petenzen legen, freuen sich Kinder schlicht aufs Lernen, auf
aufgenommen und analysiert. Neben der Auswertung
Kontakte und spannende Aktivitäten. Viele dieser Themen
entstand so das Video „Kinderperspektiven:
spielen bislang kaum eine Rolle bei der Gestaltung des Über-
Bald bin ich ein Schulkind“ mit
gangs. Dabei gilt: Wohlbefinden und Spaß tragen entschei-
authentischen Kinder-Aussagen.
dend zum Lernerfolg bei.
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