Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 5
Fortbildungen, um Sprachbildung im All-
tale Werkzeuge versteht, kann sie sinn-
ten Geburtstag digital erfasst. Die al-
tag sicher und wirksam zu gestalten.
voll nutzen. Schulungen müssen daher
tersnormierte Auswertung macht Un-
den Umgang mit Erhebungsinstrumen-
terschiede sichtbar und lenkt Ressour-
Fehlende Vergleichbarkeit verhindert,
ten, die Interpretation von Daten und die
cen gezielt dorthin, wo sie am meisten
dass bundesweit einheitliche Aussagen
Kommunikation der Ergebnisse mit Fami-
gebraucht werden.
über die Sprachstände von Kindern ge-
lien und Teams umfassen.
troffen werden können. Das Problem ist
Könnten auch Schulen von einer
allerdings nicht neu: Bereits 2021 kriti-
Sprachbildung ist nicht nur Datenerhe-
sierte die pädquis Stiftung in einer Analy-
bung – sie ist und bleibt vor allem Bezie-
se rund 30 ganz unterschiedliche Verfah-
hungsarbeit. Digitale Tools dürfen die pä-
Spieker: Davon bin ich überzeugt. Sprach-
ren zur Sprachstandsfeststellung. Damit
dagogische Haltung nicht ersetzen, son-
bildung endet schließlich nicht mit dem
sind eine fehlende Vergleichbarkeit und
dern sollten sie unterstützen.
Abschied aus der Kita. Sie ist die Brücke
eine mangelnde Steuerungslogik bereits
im System angelegt. Die Konsequenz ist,
einheitlichen Sprachstandserhebung
profitieren?
zwischen früher Bildung und Schule und
Was sollte die Politik nun tun?
damit ein Schlüsselmoment im Leben je-
dass Sprachförderung oft punktuell statt
Spieker: Damit Sprachbildung zu einer
des Kindes. Eine datengestützte Beobach-
strukturell bleibt – und Kinder so schon
echten Systemaufgabe wird, braucht es
tung kann helfen, diese Übergänge trans-
mit ungleichen Voraussetzungen in die
klare politische Weichenstellungen. Der
parenter, gerechter und individueller zu
Schule starten.
Bund kann dabei entscheidende Impulse
gestalten. Je früher eine Förderstrategie
setzen – insbesondere über das geplante
bei den Kindern ansetzt, desto wirksamer
Qualitätsentwicklungsgesetz.
kann das System Kita sein alltagsinteg-
Was versprechen Sie sich von einer
riertes Bildungspotenzial ausschöpfen.
einheitlichen Strategie?
Spieker: Damit können wir diesen Kreis-
Darin muss eine verpflichtende Sprach-
lauf durchbrechen! Wir können mit wis-
standsbeobachtung nach einheitlichen
Wenn Kitas und Schulen auf derselben
senschaftlich fundierten Methoden konti-
Standards als Qualitätsmerkmal veran-
Datengrundlage arbeiten, lassen sich
nuierlich die sprachliche Entwicklung von
kert werden. Die dafür notwendige digita-
Sprachstände gezielt übergeben. Das
Kindern beobachten, statt nur punktuell
le Infrastruktur könnte über einen „Digi-
schafft Vertrauen bei Familien, entlastet
den Sprachstand zu erheben. Unser Ziel
talpakt Kita“ gefördert werden. Die Inves-
Fachkräfte und ermöglicht Schulen, an
ist es nämlich nicht, Kinder für eine Mo-
tition lohnt sich, denn einheitliche Daten
die bisherigen Förderstrategien anzu-
mentaufnahme in den Blick zu nehmen,
ermöglichen eine wirksame, evidenzba-
knüpfen. So wird Sprache zum verbinden-
sondern ihre sprachliche Entwicklung
sierte Steuerung. Mithilfe einer zentralen
den Element im Bildungssystem und
kontinuierlich zu begleiten. Beobach-
Datengrundlage können Sprachentwick-
nicht zum Stolperstein.
tungsverfahren wie BaSiK („Begleitende
lung und Fördermaßnahmen systema-
alltagsintegrierte Sprachentwicklungs-
tisch analysiert werden – über Regionen
beobachtung in Kindertageseinrichtun-
und Zeiträume hinweg. Nach dem Vorbild
gen“) haben sich als valide, zuverlässig
der MINT-Initiative „Stiftung Kinder for-
Jedes Jahr werden Tausende von Kindern
und praxistauglich erwiesen. Sie ermögli-
schen“ könnte ein bundesweites Zertifi-
ihrer Bildungschancen beraubt, wenn al-
chen die Beobachtung in alltäglichen Si-
kat „Sprach-Kita“ Anreize für Träger schaf-
les so bleibt, wie es jetzt ist. Das ist nicht
tuationen und eröffnen einen ressourcen-
fen, Standards umzusetzen und Qualität
nur ungerecht und spaltet eine ohnehin
orientierten Blick auf Sprache – gerade
sichtbar zu machen.
schon polarisierte Gesellschaft zusätzlich
auch in mehrsprachigen Kontexten.
Warum ist Fröbel dieses Thema so
wichtig?
– darüber hinaus verursacht diese SchrägHeute gehen die Länder noch sehr unter-
lage am Ende des Tages für Bund und
Aktuelle Forschungsprojekte wie „Ste-
schiedliche Wege. Beispielhaft für eine
Länder viel mehr Kosten. Und das wirkt
Bas“ der Universität Bamberg gehen noch
gute Sprachförderpolitik stehen die Pro-
sich wiederum auf jedes Mitglied unserer
einen Schritt weiter: Auf Basis großer Da-
gramme dreier Länder: die „Sprachstands-
Gesellschaft aus.
tensätze aus BaSiK entwickeln sie bun-
erhebungsinitiative“ in Baden-Württem-
desweit einheitliche Schwellenwerte, um
berg, das Landescurriculum „Mit Kindern
Förderbedarfe objektiv zu bestimmen.
im Gespräch“ in Rheinland-Pfalz und das
Stefan Spieker, Fröbel-Geschäftsführer
„Kita-Chancenjahr“ in Berlin. Wirksame
Wie müsste es dann weitergehen?
Praxismodelle könnten im kooperativen
Spieker: Ohne die digitale Erfassung und
Bildungsföderalismus nachhaltig verbrei-
Auswertungsmöglichkeit bleibt datenge-
tet werden. Wichtig ist, dass Fachkräfte
stützte Sprachbildung Theorie. Wir brau-
kontinuierlich fortgebildet werden.
chen eine zuverlässige digitale Ausstattung, eine begleitende IT-Betreuung und
Bei Fröbel zeigen wir, wie das in der Pra-
datenschutzkonforme Softwarelösungen
xis aussehen kann. In bundesweit rund
in allen Kitas. Aus dem „Digitalpakt für
250 Einrichtungen werden mit BaSiK die
Schulen“ haben wir gelernt: Nur wer digi-
Sprachstände aller Kinder ab dem zwei-
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