Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 51
te. Es braucht eine Bildungspolitik, die verinnerlicht hat, dass
Singen, sich bewegen, mit anderen Kindern spielen und eine
gute Zeit haben mindestens genauso wichtig für die Entwicklung ist wie „Lesen, Schreiben und Rechnen“ in der Schule.
Brüche
Dieser Übergang ist ein wirklicher Bruch, der zudem viele Fragen bei allen Beteiligten aufwirft. Die Beantwortung dieser Fragen frisst dann wieder unendlich viele Ressourcen, die eigentlich dem Kind zugutekommen sollten.
Elternwünsche
Trotz vieler Unterschiede eint wohl alle Eltern das Bedürfnis
nach Verlässlichkeit bei der Abdeckung der Betreuungszeiten
und bei der Qualität der Kitas. Hierin besteht ein definitiver
Auftrag an „die Politik“ und die Trägerlandschaft. Was aus Elternsicht ebenfalls wünschenswert wäre: Es gibt in den Kitas
eine besonders begleitete Zeit der Eingewöhnung, aber einen
nur unzureichend organisierten Übergang der Kinder an die
Schulen.
Die Einschulung bedeutet für Kinder und Familien einen wirklichen Bruch. Hier sind Kitaträger, Schulen und Politik dringend
gefordert, diesen Übergang anders zu organisieren und zusammen mit den Familien zu gestalten.
Es ist ein Bruch in der Tagesstruktur, ein Bruch bei den Erwartungen an die Kinder und Eltern und auch im sozialen Gefüge
der Kinder. Freundschaften werden getrennt und neue gefunden und auch die Rolle der Kinder selbst verändert sich. In der
Kita waren Kinder einfach Kinder. In der Schule sind sie plötzlich „Schülerinnen“ oder „Schüler“. Es ist mehr als eine sprachliche Spitzfindigkeit: die Rolle definiert sich nun aus dem System heraus und nicht mehr andersherum.
Träume
Der Vater in mir träumt von einem „Bildungcampus“, auf dem
Kinder von der Kita bis zum Abitur bleiben könnten.
Was wäre gewonnen, könnten Grundschullehrkraft, Kitaerzie-
Potenziale
Das Potenzial frühkindlicher Bildung liegt nicht zuletzt darin,
dass Kinder miteinander agieren. Das mag banal klingen, doch
bevor Kinder in den Schulen nach Behinderung, Einzugsgebieten (und damit auch sozioökonomischen Realitäten der Kieze)
und anderen Parametern selektiert werden, begegnen sie sich
in Kindergärten vergleichsweise wenig sortiert nach diesen problematischen „Schablonen“ der Erwachsenenwelt.
Kinder begegnen sich, ohne dass man diese Begegnung erst als
„Inklusion“ oder „soziale Durchmischung“ bezeichnen muss, damit Kinder (möglicherweise) einen Anspruch darauf erhalten,
miteinander aufzuwachsen und voneinander zu lernen. Mein
Sohn hat beispielsweise nicht verstanden, warum sein leicht
entwicklungsverzögerter Kitafreund nicht mit ihm auf eine
Grundschule wechseln durfte. Ich auch nicht.
Ungleiche Partner
her:in und Eltern kurzfristig und unkompliziert gemeinsam darüber in den Austausch gehen, was Simon aus der 1b gerade bedrücken könnte und wenn die (ehemalige) Bezugserzieherin
mindestens für den Einstieg im Unterricht dabei sein könnte?
Wenn Simon nicht seine Freunde verloren, sondern seinen
Freundeskreis vergrößert hätte?
Bei den Übergängen würden solche Settings eine Vielzahl von
Problemen lösen.
Zwischen der heutigen Situation und einem solchen Campus
liegen in einer nicht perfekten Welt zahllose Zwischenschritte,
die diskutiert und gegangen werden müssten. Beispielsweise
der Schritt hin zu einem wirklichen und strukturierten Austausch zwischen Kitafachkräften und Lehrpersonal.
Im Sinne der Kinder sollten wir damit anfangen und beherzt loslaufen.
Marco Fechner, Bildungsaktivist, Podcaster, Autor
Im Gedanken, dass nicht nur Kitas und Eltern bzw. Schulen und
Eltern eine jeweilige „Erziehungspartnerschaft“ haben, sondern
auch Kitas und Schulen eine haben, stellte ich mir die Frage,
welche Art von Partnerschaft das wäre.
Es wäre eine Partnerschaft in Trennung, so viel ist nicht zu leugnen. Aber was ist das Ergebnis einer Partnerschaft, wenn ein
Partner mit der Haltung herangeht, dass er der eigentlich Relevantere für die Bildung des Kindes ist und wenn beide Partner
sich bei der „Übergabe“ im Wesentlichen drauf beschränken,
mal mehr und mal weniger umfangreiche Notizen zu übergeben? Wenn der „Nachmittagspartner“ im Grunde immer erst
herausfinden muss, was am „Vormittag“ gelaufen ist und hoffen
muss, dass das Kind satt, mit passender Hose und regenfester
Jacke übergeben wird?
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