Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 6
Forschung
„Macht uns
stark!“
Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist für Kinder ein entscheidender
Wie könnten Schulen daran anknüpfen?
Räume für selbstbestimmte Aktivitäten – ähnlich wie Freispielphasen – wären hilfreich. Wichtig ist Transparenz: Kinder müs-
Schritt und stellt pädagogische Fach-
sen wissen, wo sie Freiräume haben und wo Grenzen liegen. Ich
kräfte sowie Lehrkräfte vor eine beson-
deutet nicht grenzenlose Freiheit, sondern Klarheit über Mög-
dere Herausforderung. Wie können
Kinder in dieser Phase gestärkt, beteiligt
und gehört werden? Ein Interview mit
Dr. Katrin Velten, Professorin für Bildung
benutze gern das Bild von „Zaun und Wiese“: Partizipation belichkeiten und Begrenzungen.
Und wie lässt sich das umsetzen, insbesondere beim
Übergang von der Kita zur Schule?
Ich finde es hilfreich, zwischen Strukturübergang und Bildungsübergang zu unterscheiden. Beim Strukturübergang geht es um
in der Kindheit an der Alice Salomon
äußere Rahmenbedingungen: neue Gebäude, feste Stundenplä-
Hochschule Berlin.
ihre bisherigen Erfahrungen, Kompetenzen und ihre Art zu ler-
ne und andere Regeln. Beim Bildungsübergang können Kinder
nen mitnehmen und weiterentwickeln. Für mich ist hier ein gezieltes Erwartungsmanagement entscheidend – sowohl für die
Kinder als auch für die Familien. Kinder sollen erfahren, was sie
Sie betonen immer wieder die Bedeutung von Selbstwirk-
in der Schule erwartet und dass es Unterschiede gibt. Diese Un-
samkeit. Warum ist sie auch für den Übergang so zentral?
terschiede sind nicht automatisch negativ, sie können sogar ein
Selbstwirksamkeit ist ein Schlüssel für viele Lebenssituationen. Kinder brauchen die
Erfahrung, dass sie etwas bewirken können.
In Kitas geschieht das durch flexible Strukturen, Mitbestimmung und klare Kommuni-
Motor für die Entwicklung sein.
„Es geht nicht darum, Kinder fit
für die Schule zu machen, sondern fit für den Umgang mit
Herausforderungen.“
kation. In der Grundschule hingegen domi-
Wie könnte das gelingen?
Kinder sollen nicht nur informiert, sondern
auch beteiligt werden. Sie müssen die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, ihre Sicht-
niert erwartungsgemäß der Fokus auf Kulturtechniken wie Le-
weisen zu äußern und zu erleben, dass diese ernst genommen
sen, Schreiben und Rechnen. Dadurch droht Partizipation
werden. Nur dann können sie Selbstwirksamkeit erfahren – und
manchmal in den Hintergrund zu geraten.
das ist eine zentrale Grundlage, um Übergänge gut zu bewältigen.
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