Magazin KINDgerecht Ausgabe 1-2025, November: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner? - Magazin - Seite 9
2019; Kluczniok, 2019). Die vielfältigen Spielsituationen und
liche Bildung notwendig. Deren Einführung und Umsetzung er-
Routinen im Kita-Alltag bieten geeignete Anlässe, um die
fordert eine fachliche Begleitung der Fachkräfte sowie zeitliche
kindliche Entwicklung kindorientiert, spielbasiert und all-
und personelle Ressourcen. Diese Maßnahmen sind entschei-
tagsintegriert zu unterstützen. Dies setzt professionelle
dend, um Bildungserfolg für alle Kinder von Anfang an sicherzu-
Kompetenzen der Fachkräfte voraus, um Alltagssituationen
stellen.
als Bildungsgelegenheiten zu erkennen und zu nutzen, etwa
beim gemeinsamen Essen, im Rollenspiel oder in dialogischen
Vorlesesituationen.
Kombination aus alltagsintegrierter und additiver Förderung
Eine gute Kita verbindet alltagsintegrierte und additive Fördermaßnahmen. Eine alltagsintegrierte (sprachliche) Bildung
Literatur:
Bäumer, T. & Roßbach, H.-G. (2012). Die Familie macht‘s. Die Bedeutung der
Familie für kindliche Bildungsprozesse. DJI Impulse, 100(4), 39–41. https://
www.dji.de/fileadmin/user_upload/bulletin/d_bull_d/bull100_d/DJIB_100.pdf
Ehm, J.-H. & Hasselhorn, M. (2019). Unterstützung und Förderung der
Schulbereitschaft. Sprache Stimme Gehör, 43(4), 201–205.
reicht für Kinder mit Förderbedarf oft nicht aus, insbesondere, wenn die Anregungsqualität in den einzelnen Bereichen
eher niedrig ist. Additive Maßnahmen in Form von spezifischen Förderprogrammen wie „Hören, lauschen, lernen“ oder
„Mengen, zählen, Zahlen“ sind wichtig, aber kein „Allheilmittel“, da mehrwöchige Trainings verpasste Fördergelegenheiten nicht komplett ausgleichen können. Daher ist eine Balance nötig zwischen selbstständigem bzw. eigenständigem Lernen, direkter Vermittlung grundlegender Fertigkeiten und
Wissen sowie deren Anwendung in konkreten Alltagssituationen der Kinder, wie z. B. das Messen oder Abwiegen von Zutaten beim Kuchenbacken (Roßbach, 2008). Diese Förderung
sollte früh beginnen und nicht nur das letzte Kitajahr umfassen, um allen Kindern gute Startbedingungen für die Schule
zu ermöglichen.
Anregungen für Familien zur Gestaltung der häuslichen
Lernumgebung
Die Familie ist als erste Sozialisationsinstanz entscheidend für
die emotionale, soziale, kognitive und sprachliche Entwicklung
von Kindern sowie für deren körperliche und psychische Gesundheit (Bäumer & Roßbach, 2012). Die Zusammenarbeit von
Faas, S. & Kluczniok, K. (2023). Zwischen Anspruch und Wirklichkeit:
Bildungspläne im Elementarbereich und die Frage nach der Qualität
pädagogischer Praxis. Frühe Bildung, 12(1), 30–38. https://doi.
org/10.1026/2191–9186/a000604
Faust, G. (2012). Zur Bedeutung des Schuleintritts für die Kinder – für eine
wirkungsvolle Kooperation von Kindergarten und Grundschule. In S. Pohlmann-Rother & U. Franz (Hrsg.), Kooperation von KiTa und Grundschule. Eine
Herausforderung für das pädagogische Personal (S. 11–21). Carl Link.
Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK). & Kultusministerkonferenz (KMK). (2022). Gemeinsamer Rahmen der Länder für die frühe
Bildung in Kindertageseinrichtungen. https://www.kmk.org/fileadmin/
veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_06_03-Fruehe-Bildung-Kindertageseinrichtungen.pdf
Kluczniok, K. (2019). Entwicklungspsychologie des Kindes beim Übergang
Kindergarten/Grundschule. Sprache Stimme Gehör, 43(4), 187–191. https://doi.
org/10.1055/a-0949–0857
Lehrl, S., Evangelou, M. & Sammons, P. (2020). The home learning environment
and its role in shaping children’s educational development. School Effectiveness and School Improvement, 31(1), 1–6. https://doi.org/10.1080/09243453.2
020.1693487
Roßbach, H.-G. (2008). Was und wie sollen Kinder im Kindergarten lernen? In
H.-U. Otto & T. Rauschenbach (Hrsg.), Die andere Seite der Bildung (S.
123–131). VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978–3531–90972–1_9
Kita und Familie ist für die Entwicklungsunterstützung von Kindern von besonderer Bedeutung, vor allem für Familien mit einer weniger vielfältigen häuslichen Lernumgebung (Lehrl et al.,
2020). Mit Blick auf die Übergangsgestaltung sollte es daher im
Sinne einer gemeinsamen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft die Aufgabe von Kita und Schule sein, den Eltern Tipps
und Hinweise zu geben, wie sie zu Hause eine anregungsreiche
Lernumgebung schaffen können. Beispiele hierfür sind das dialogische Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte, gemeinsame
Gespräche bei Mahlzeiten, Ausflüge oder Spiele. Eine gute Vernetzung von Familie, Kita und Schule stärkt die Bildungsqualität von Anfang an.
Fazit
Wir benötigen ein gemeinsames, bildungsstufenübergreifendes
Bildungsverständnis, das adaptive Bildungs- und Förderprozesse ermöglicht. Diese sollten an den Voraussetzungen, Interessen und Bedürfnissen der Kinder ansetzen und auch die Familien miteinbeziehen. Ergänzend sind auf der Steuerungsebene
verbindliche bundesweite Qualitätsstandards für die frühkind-
Katharina Kluczniok ist Professorin für frühkindliche Bildung und Erziehung
an der Freien Universität Berlin und wissenschaftliche Vorständin bei der
pädquis Stiftung. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Qualität in
frühkindlichen Lernumgebungen und deren Auswirkungen auf die kindliche
Entwicklung sowie beim Übergang von der Kita in die Grundschule.
9